Urteil vom 03.12.2010 des Landgerichtes (LG) gegen den Todesfahrer und Todesraser von Mönchengladbach (aus Greifswald stammend) wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, versuchten Mord und fahrlässiger Tötung / Für Radfahrer muss mehr Sicherheit im Straßenverkehr erreicht werden!

(Das Todesopfer Bernd Seiffert)

Urteil und Würdigung

03.12.2010:

Heute habe ich meinen Ohren kaum getraut. Wir sind fassungslos. Das Urteil und insbesondere die Urteilsbegründung war für die anderen Angehörigen des Opfers und für mich ein weiterer Schock.

Bisher waren wir nicht nur dankbar für die exzellente Arbeit von Polizei im Zusammenarbeit mit der Presse und der Staatsanwaltschaft. Auch die Arbeit des Gerichtes haben wir während der sieben Verhandlungstage sehr hoch geschätzt. Um so enttäuschter sind wir nun nach diesem Urteil.

Das Urteil stößt auch in der Öffentlichkeit auf absolutes Unverständnis. Mancher hält die Begründung für absurd.

Dass der Angeklagte schuldig gesprochen wurde, war aufgrund der erdrückenden Beweislast – welche in langen Vernehmungen und Zeugenaussagen herausgearbeitet wurde – ohnehin klar. Aufgrund der Beweislage und wegen der mangelnden Reue (durch eine Leugnung der Tat bis zum Schluss) sowie wegen der Brutalität gingen wir alle fest davon aus, dass eine Strafminderung ausgeschlossen ist und die Strafe bei den gesetzlich möglichen 15 Jahren liegen müsste.

Diese Tat des Mordes durch Unterlassen ist nach unserer Meinung wesentlich brutaler, grausamer und menschenverachtender als ein geplanter Mord, wie z. B. das Erstechen mit einem Messer, bei welchem das Opfer schnell ums Leben kommt. Bernd hat viele Stunden unter grausamsten Bedingungen vergeblich um sein Leben kämpfen müssen. Dies hat der Täter bewußt in Kauf genommen. Eine Strafmilderung haben wir daher für ausgeschlossen gehalten.

(Foto: Bild Zeitung: Der uneinsichtige Täter Michel M.)

Michel M. wurde zwar u. A. wegen fahrlässiger Tötung und wegen versuchten Mordes durch Unterlassen verurteilt. Er hat aber nur eine Freiheitsstrafe von 9 Jahren bekommen, u. A. weil der Richter bei dem Getöteten eine Mitschuld sieht, da er den Fahrradweg nicht benutzte. Ferner wurde ausgeführt, der Verletzte habe ohnehin kaum eine Überlebens-Chance gehabt, was u. E. unzutreffend ist. Die Strafe könnte sogar noch bei guter Führung verkürzt werden. Es ist nur zu hoffen, dass in 7 bis 9 Jahren nicht der nächste Unschuldige Verkehrsteilnehmer getötet wird.

Wir meinen nicht aus Rachsucht, daß die Strafe viel zu gering ist, sondern weil wir glauben, dass die Besinnungszeit von 7 bis 9 Jahren für diesen besonders uneinsichtige Täter nicht ausreichen wird. Ferner halten wir die vorgebrachten Strafminderungsgründe für unzutreffend; eine Minderung halten wir daher für nicht möglich. Wir glauben, dass dieses Urteil nicht dazu beiträgt, den Straßenverkehr sicherer zu machen.

Der Urteilsspruch lag mit 9 Jahren noch deutlich unter der Forderung des Verteidigers (10 bis 12 Jahre). Der Vertreter der Nebenklage hatte 15 Jahre gefordert. Eine Sicherheitsverwahrung wegen der Gefahr für die Allgemeinheit wollten wir auch fordern. Da aber bisher keine Haftstrafe verhängt worden war, war uns deren Beantragung nicht möglich.

(Der schreckliche Ort: die vierspurige Gladbacher-Straße mit Mittelstreifen und Scheinwerferwagen (Polizeifoto))

Fahrverbot

Dabei erscheint es zweitrangig, dass das Gericht für uns unverständlicher Weise nicht – wie von der Anklage gefordert – ein lebenslanges Fahrverbot sondern nur eins von 5 Jahren verhängte. Bei unzähligen illegalen Fahrten in den letzten Jahren hat sich der Verurteilte ohnehin nicht darum geschert, ob er eine Erlaubnis hat.

Schon heute habe ich viele Mitteilungen von Leuten bekommen, die – in Anbetracht der Besonderheiten und Brutalität dieses Falles – über die Milde des Urteils überrascht sind. Das Argument der Mitschuld in diesem Fall haben die meisten Menschen, mit welchen ich gesprochen habe, für so abwegig gehalten, dass sie es mir kaum geglaubt haben. Einem Vergewaltigungsopfer kann ja auch keine Mitschuld gegeben werden, wenn es einen Minirock getragen hat. Dann hätten Mörder künftig noch leichteres Spiel.

Der Richter – der als Ortskundiger diesen Weg natürlich genau kennt – sieht bei meinem (ortsfremden) Sohn eine Mitschuld, da er (bei der Dunkelheit) nicht den Fahrradweg benutzte. Auf diese Weise den Ruf eines so integren Menschen nach seinem Tode, wo er sich nicht mehr wehren kann zu beschmutzen ist für mich ungeheuerlich. Dies halte ich für makaber und pietätlos. Als wenn wir Angehörigen des Opfers nicht schon genug gelitten hätten.

Falsche Annahme, das Opfer wäre sowieso gestorben

Als ein weiteres Problem sehe ich an, dass nach Meinung der mich beratenden Fachärzte vom Gericht falsch eingeschätzt wurde, dass selbst bei sofortiger Hilfe kaum eine Überlebens-Chance bestand. Da wurde wohl dem Chefarzt der Chirurgie des behandelnden Krankenhauses Maria Hilf geglaubt, der nach meinem Eindruck aus Eigeninteresse – zur Verhütung von Regressansprüchen? – bei seiner Zeugenaussage eine sehr geringe Überlebensschance (5 % bei sofortiger Hilfe) gesehen hat. Bei der Vernehmung der Ärzte wollte der Richter die Befragung durch den Anwalt der Nebenklage abbrechen, weil er dachte, dies gehöre in den Regressprozess gegen das Krankenhaus Maria Hilf. Der Anwalt der Nebenklage entgegnete darauf hin, dass dies nicht beabsichtigt sei. Er hätte ihn aber auf eine gute Idee gebracht. Sollte hier die im Verfahren hoch gekommene Kritik an der ärztlichen Behandlung und mögliche Regressansprüche an das Krankenhaus von den Ärzten auf diese Weise von vornherein abgeblockt werden? Dass diese Ärzte nach meiner Meinung ein großes Eigeninteresse haben müssen und dass sie damit in dieser Frage als befangen angesehen werden könnten, ist für mich offensichtlich. Deshalb hätte ich auch nie damit gerechnet, dass deren Aussage vom Gericht als Grundlage für eine Minderung der Strafe benutzt wird. Dies ist für uns auch deshalb nicht zu verstehen, weil der Anwalt der Nebenklage dem Gericht die Vorlage eines entsprechenden Gutachtens im Verfahren angeboten hatte. Infolge dieser Einschätzung wurde wohl – in der Gewichtung der beiden Hauptstraftaten fahrlässige Tötung und versuchter Mord – das Gewicht zu Gunsten der fahrlässigen Tötung verschoben, was zu einer Verringerung der Strafe geführt zu haben scheint. Diese Einschätzung halte ich für nicht richtig. Den Beweis dafür kann ich m. E. durch ein bereits vorliegendes medizinisches Gutachten antreten. Auf die Möglichkeit und Bereitschaft den Nachweis durch ein Gutachten zu erbringen hatte die Nebenklage bereits im Verfahren bei der Vernehmung der Ärzte hingewiesen und die Vorlage eines entsprechenden Gegen-Gutachtens angeboten. Dennoch wurden die Aussagen der Ärzte des Krankenhauses vom Gericht für glaubwürdig erachtet.

Bernd lag 10 bis 20 Minuten am Unfallort. Diese Zeit hätte nach meiner Meinung ausgereicht, um sein Leben zu retten, denn er wäre entsprechend früher ins Krankenhaus gekommen und seine Verletzungen hätten nicht zwangsläufig tödlich sein müssen. 2 Minuten sind erforderlich, um den Bauch zu öffnen. Nur 5 Sekunden werden benötigt, um die Milz abzuklemmen, damit diese nicht weiter bluten kann. Dann besteht ausreichend Zeit für weitere lebensrettenden Maßnahmen. Durch die starke Unterkühlung durch das Liegen am Unfallort wurde die Blutgerinnungsfähigkeit entscheidend geschwächt. Deshalb ist er verblutet. Bei sofortiger Hilfe wäre die Leberblutung rechtzeitig gestoppt worden. Ein inneres Verbluten hätte nicht mehr erfolgen können und ein Blutungsschock hätte nicht eintreten können. Die Eingriffsdauer bis zur allerersten Blutstillung im Bauchraum hätte nur ca. 10 Minuten betragen.

Den diesbezüglichen Einlassungen der Nebenklage wurde vom Gericht kein Glauben geschenkt.

Angebliche Mitschuld des Opfers

Nicht in Ordnung finde ich u. A., dass der Fahrradweg erstmals heute und nicht in der Verhandlung explizit zum Thema gemacht wurde. Ich hatte im Verfahren nach meiner Meinung keine Gelegenheit, auf diesen für mich völlig überraschenden Aspekt einzugehen.

Diese Entscheidung könnte für die Radfahrer in ganz Deutschland gravierende Auswirkungen haben, da es nach meiner Meinung so aussieht, als ob deren Freiheit nun eingeschränkt wurde. Man könnte daraus nämlich einen Zwang herleiten, (gefährliche) Radwege zu benutzen. Bis heute gibt es in Deutschland keine allgemeine Benutzungspflicht für Radwege. Nur benutzungspflichtige Radwege müssen benutzt werden und auch nur dann, wenn sie als solche erkennbar sind. Das haben die folgenden Gerichte in den betreffenden Urteilen entschieden: OLG Düsseldorf, AZ 1 U 51/02, OLG Hamm, AZ 6 U 91/93, OLG Köln, 19 U 208/93 und OLG Düsseldorf 1 U 234/02. Der hier genannte Weg war – je nach dem an welcher Stelle man darauf gefahren war – nicht als benutzungspflichtig erkennbar. Die Verwirrung bei den deutschen Radlern ist nun groß. Ich befinde mich im Kontakt mit dem zuständigen Abteilungsleiter für Verkehrsrecht der Bundeszentrale des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

(Ansicht vom Fahrradweg an der Unfallstelle – mit Markierung der Spurensicherung – im Mai 2010)

Gemäß § 2 Abs. 4 S. 2 STVO müssen Radfahrer Radwege benutzen, wenn die jeweilige Fahrtrichtung mit Kennzeichen 237, 240 oder 241 gekennzeichnet ist. Ausführungen dazu, ob der Radweg mit einem dieser Zeichen gekennzeichnet ist, finden sich in der Urteilsbegründung nicht. Nur bei einem Verstoß gegen die Benutzungspflicht käme eine Mithaftung des Radfahrers in Betracht. Darüber hinaus wäre das Gericht nach meiner Meinung dazu verpflichtet gewesen, aufzuklären, ob der Getötete ein die Benutzungspflicht des Radweges anordnendes Zeichen, sofern ein solches aufgestellt wäre, auch tatsächlich hätte erkennen können und müssen. Ferner hat das Schwurgericht unterlassen, festzustellen, ob der Getötete auf seiner Fahrstrecke ein möglicherweise aufgestelltes Verkehrszeichen 237, 240 oder 241 überhaupt passiert und so die Möglichkeit gehabt hätte, ein solches wahrzunehmen.

(Das hochwertige Fahrrad war laut Polizeibericht bzw. Gutachter technisch einwandfrei und gut beleuchtet (Polizeifoto).)

Einen Ortstermin hat es während des gesamten Verfahrens nicht gegeben. Des Weiteren besteht eine Benutzungspflicht auch trotz Anordnung durch ein solches Zeichen nicht, wenn eine Benutzung für den Radfahrer aufgrund des Zustandes des Radweges nicht zumutbar ist, bzw. wenn Umstände vorliegen, die eine Benutzung erheblich erschweren. So besteht keine Benutzungspflicht, wenn der Zustand des Radweges den Radfahrer zum Langsamfahren zwingt (vgl. Kettler, NZV 1997, 497, 498). Der Radfahrer muss sich nicht auf den Radweg verweisen lassen, wenn er schneller fahren will und kann als der Radweg es zulässt, selbst wenn der Weg bei reduzierter Geschwindigkeit hätte benutzt werden können (vgl. OLG Köln, NZV 1994, 278). Ausweislich des Gutachgtens des Sachverständigen Dipl.-Ing. des Gerichtes betrug die von dem Getöteten gefahrene Geschwindigkeit ca. 35 km/h. Das war eine für einen Radfahrer hohe Geschwindigkeit. Mit einer solchen Geschwindigkeit um Mitternacht bei Dunkelheit auf diesem Radweg zu fahren, wäre meines Erachtens noch wesentlich gefährlicher gewesen.

Mein Sohn hat nachweislich immer benutzungspflichtige Fahrradwege benutzt. Das habe ich bei gemeinsamen Touren immer gesehen. Bernd war sehr sicherheitsbewußt und hat sogar an einem Sicherheitstraining des ADAC teilgenommen.

Er muss und wird einen Grund dafür gehabt haben, dass er nicht auf diesem Radweg gefahren ist. Der Weg kam erst kurz vorher aus einer Ortschaft (Rheindahlen) und endete auch kurz danach. Wenn Bernd zum Beispiel aus Richtung Kothausen kam, konnte er gar nicht wissen ob es sich um einen benutzungpflichtigen Weg handelt. Von mir wurde in einer Video-Dokumentation festgehalten, dass es diverse Fahrmöglichkeiten gibt, bei welchen vom Fahrradfahrer nicht gesehen werden kann, ob der Weg benutzungspflichtig ist. Das Schild konnte er nicht sehen, denn es stand in erheblicher Entfernung von der Straße auf der er fuhr. Möglicherweise lagen auch Scherben auf dem Weg. Ferner war er wegen der Bäume und Poller auch wesentlich schlechter beleuchtet. Der Richter meinte, dass das Fahren auf dem Weg zumutbar gewesen sei und er selbst dort oft fahre. Dabei lässt er aber nach meiner Meinung außer Acht, dass er dann den Weg in seiner Beschaffenheit – auch das von der Straße nicht einsehbare Hinweisschild – genau kennt. Diesen Vorteil hatte mein Sohn nicht. Nach der bisherigen Rechtsprechung besteht auch dann keine Benutzungspflicht für Radwege, wenn das Hinweisschild vom Radfahrer nicht gesehen werden kann.

Davon abgesehen fordern Fahrradclubs, Radwege nicht zu benutzen. Städte wollen Radwege wegen der statistisch nachgewiesenen größeren Gefahr (als auf der Straße) zurückbauen.

Selbst wenn er eine Strecke gefahren wäre, auf welcher ein Schild stand – ich bin sicher, dass dies nicht der Fall war – dann hätte er das Radwegschild nicht sehen können, da bei der bestehenden Dunkelheit und bei gemäß den Vorschriften der Straßenverkehrs- Ordnung korrekt eingestellten Fahrrad-Scheinwerfer die Höhe der Radwegschilder viel zu hoch ist, um von einer Fahrradlampe erfasst zu werden.

Dass Bernd Seiffert die Pflicht hatte, den Fahrradweg zu benutzen lässt sich ferner – nach meiner Meinung – nicht nachweisen, da nicht bekannt ist, von wo er kam. Er fuhr oft – auch mit wechselnden Richtungen – durch die Gegend um die Natur zu genießen. Die Behauptung, er trage eine Mitschuld an seinem Tod ist meines Ermessens nicht haltbar. Hier ist ein Video welches zeigt, dass es diverse Möglichkeiten gibt, ohne das Verkehrsschild erkennen zu können am Unfallort vorbeizufahren:

http://www.youtube.com/watch?v=pf92Nhsz91Y

http://www.adfc.de/news/ADFC-erreicht-bahnbrechendes-Urteil-zur-Radwegebenutzungspflicht

http://fahrradzukunft.de/1/verkehrsschilder-nachts/

http://www.koeln.de/koeln/stadt_will_weniger_radwege_fuer_mehr_sicherheit_193478.html

http://www.adfc-nrw.de/?id=radwegsicherheit

http://www.bild.de/BILD/regional/koeln/aktuell/2009/07/17/fahrrad-fahrer/zurueck-auf-die-strasse.html

Aus diesem Urteil könnte man meines Erachtens schließen, dass jeder Radfahrer in Deutschland – der aus irgendwelchen guten Gründen – einen Radweg nicht benutzt, mit an seinem eigenen Tod schuld ist, wenn er feige von hinten überrollt wird.

Selbst wenn man hier eine Radwegpflicht annehmen könnte- was nach meiner Meinung überhaupt nicht geht – würde es sich dabei höchstens um eine Ordnungswidrigkeit (bzw. Verwarnung) und nicht um eine Mitschuld an einem Kapitalverbrechen handeln.

Ich hätte mir gewünscht, dass der Täter früher bei seinen ersten Taten eine Haftstrafe erhalten hätte. Nach meiner Meinung wäre er dann vielleicht zur Vernunft gekommen und mein Sohn würde noch leben.

Keiner der vielen Leute, die Bescheid wussten, hat M. Marquardt von seinen alkoholisierten Autofahrten abgehalten. Wenn ein Einziger Zivil-Courage gezeigt hätte, würde mein Sohn noch leben.

Wie geht man bei Gericht aber mit den Geschädigten um? Der umgebrachte Sohn wird auch noch beschuldigt, an seinem eigenen Tod mit schuldig zu sein. Für mich schreit dies zum Himmel. Eine größere Geschmack- und Piätetlosigkeit kann ich mir kaum vorstellen.

Was dieser Verbrecher uns allen angetan hat, ist für andere schwer zu ermessen. Seit dem 28.04.2010 bin ich arbeitsunfähig.

Da wir mit diesem nach meiner Meinung zu milden Urteil so nicht leben können und auch mit der Urteilsbergründung nicht einverstanden sein können, sehe ich keinen anderen Weg als in die Berufung zum BGH nach Karlsruhe zu gehen. Am 06.12.2010 wurde die Revision eingereicht. Wir sind wirklich fest entschlossen notfalls alle möglichen Rechtsmittel auszunutzen.

01.03.2011:

Schriftliches Urteil


Heute haben wir das schriftliche Urteil vom Gericht erhalten. Es zeigt – wie die mündliche Urteils- Begründung  – dass den Ärzten des Krankenhauses, die nach meiner Meinung ein Eigeninteresse haben, geglaubt wurde.
Den nach meiner Meinung wichtigen und richtigen Hinweise auf die vorhandenen Nachweise, dass mein Sohn keinesfalls sowieso gestorben wäre,  ist das Gericht nicht nachgegangen.

Ferner wurde in der Tat strafmildernd berücksichtigt, dass dem Fahrradfahrer angeblich eine erhebliche Mitschuld treffen soll.

Die Familie bzw. Angehörigen hatten gehofft, nun endlich zur Ruhe kommen zu können.

Wir finden, dass es sehr schade ist, dass nach der guten Arbeit und dem einzigartigen erfolgreichen Zusammenspiel von Polizei und Medien ein solches Urteil gefällt wurde.

Der Gang nach Karlsruhe und eine Klärung der Frage, inwiefern Radfahrer frei und kein Freiwild sind, liegt nach meiner Meinung aber auch im Interesse aller deutschen Radler. Mit dem zuständigen Abteilungsleiter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) habe ich mich bereits ausgetauscht.

Den zahlreichen Leserbriefen, die ich erhalte, kann ich entnehmen, dass eine überwältigende Mehrheit mir in dieser Frage zustimmt.

Zur Zeit findet auf der Internet-Plattform RP-Online eine von mir eröffnete Diskussion über die Problematik statt, welche ebenfalls die allgemeine Meinung zeigt:

http://www.rp-online.de/public/comments/index/regional/niederrheinsued/moenchengladbach/nachrichten/938235

https://fahrerflucht.wordpress.com/links/

In einem Radfahrerforum wurde folgender Kommentar abgegeben:

AW: Radwege-Diskussionen (Sammelthread) Gehe zum vorherigen Beitrag

Beim kurzen Durchlesen des Blogbeitrags stößt mir besonders die angebliche Mitschuld des Opfers auf. Wenn ich das richtig verstanden habe, war es dunkel, als der Unfall passiert ist. Im Dunklen kann man aber mit STVO-gerechter Beleuchtung kein Radwegschild sehen. Das hängt nämlich mindestens zwei Meter hoch, so hoch darf ein Fahrradlicht nicht leuchten. Wenn man das nicht sehen darf, wie kann man es dann beachten?

(Weswegen man im Übrigen auch keine Radwegauschilderung im Dunklen findet, während die Ausschilderung für die üppig beleuchteten Kraftfahrer sich in optimal sichtbarer Höhe befindet)

Facebook-Kommentare:

Tedora Fatimea: Ich kann Ihren Schmerz nachvollziehen. Ich wünsche Ihnen und Ihre Familie weiterhin viel Kraft.

Twitter-Kommentare:

@atplack Anthony Plack an @sunnyrainer: I just read about your son and this travesty of justice. Insult to injury it is. You have my prayers.

@worldwelt Jonathan Livingston an @SunnyRainer: Meine herzlichsten das Andenken des Verstorbenen. Kopf hoch!

@N8engel Cecil Kimber an @SunnyRainer:
ich wünsche euch viel Kraft & Erfolg in der Berufung!
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5 Antworten zu Urteil vom 03.12.2010 des Landgerichtes (LG) gegen den Todesfahrer und Todesraser von Mönchengladbach (aus Greifswald stammend) wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, versuchten Mord und fahrlässiger Tötung / Für Radfahrer muss mehr Sicherheit im Straßenverkehr erreicht werden!

  1. Pingback: Tweets that mention Urteil vom 03.12.2010 des Landgerichtes gegen den Todesfahrer von Mönchengladbach wegen versuchten Mordes und fahrlässiger Tötung | Fahrerflucht-Blog / Schutz für Radler! -- Topsy.com

  2. Leser schreibt:

    Inhaltlich stimme ich mit Ihnen überein, dies vorab. Sie schrieben allerdings als Leserkommentar zur benutzten Verkehrsfläche: „Im Verfahren wurde über diese Problematik auch nicht gesprochen und ich habe keine Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten. Im Urteil wurde nun überraschend davon gesprochen.“

    Daraus schließe ich, dass Ihr Anwalt versäumt hat, das Thema von sich aus entweder rechtzeitig anzugehen und Sie über den Verfahrensablauf ausreichend zu unterrichten. Dass Richter von eigener, beschränkter Privatanschauung leichtfertig fehlschließen, ist in Sachen StVO & Radverkehr nicht gerade selten.

  3. rainerseiffert schreibt:

    Aus heutiger Sicht wäre es sicher besser gewesen, die Problematik des Fahrradweges selbst anzusprechen. Meines Ermessen musste aber bei ordnungsgemäßem Verfahrensablauf nicht mit einer Mitschuld gerechnet werden, wenn während des Verfahrens nie über das Problem gesprochen wurde. Da haben wir einfach darauf vertraut, dass das Gericht fehlerfrei arbeitet.

  4. Joe schreibt:

    So kennt man die typische Kuschelrechtssprechung. Jemand, der unter Beweis gestellt hat, daß er Fahrverbote vorsätzlich mißachtet, gehört in Sicherheitsverwahrung, Radweg hin oder her. Vor sowas muß die Allgemeinheit geschützt werden.

  5. Hendrik schreibt:

    Moin,
    ich habe mir Ihre Seiten mit Bedacht durchgelesen und kann Ihren Schmerz gut nachvollziehen.
    Auch wenn ich Ihre Meinung zur Sicherheitsverwahrung hie nicht teile, bin ich trotzdem der Meinung, dass die Strafe deutlich zu milde ausgefallen ist und auch die Dauer des Führerscheinentzuges lebenslang sein sollte.
    Ich finde die Deutung des Richters zur einer Mitschuld wegen Nichtbenutzung des Radweges lachhaft.
    Hier wird dieser Fakt auch diskutiert: http://www.velomobilforum.de/forum/showthread.php?1433-Radwege-Diskussionen-%28Sammelthread%29/page65

    Und hier: http://fahrradzukunft.de/1/verkehrsschilder-nachts/ gibt es interessante Fakten zur Sichtbarkeit von Radwegbeschilderung bei Nacht und StVO-konformer Beleutung des Fahrrades. Die Essenz des Ganzen ist, dass Ihr Sohn das Schild welchen diesen Weg als Radweg erkentlich macht gar nicht sehen konnte.

    Ich hoffe ich konnte mit diesen Informationen beitragen zu Argumentationen für die Revision. Ich denke dies wird auch ein für alle anderen Verkehrsteilnehmer richtungsweisender Prozess.

    Mit freunlichen Grüßen, Hendrik

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