Umweltbewusste Fahrradfahrer sind vor Verbrechern zu schützen / Sicherheit für Radler / Petition zur Reduzierung auf 0,0 Promille-Grenze

Sind Fahrradfahrer Freiwild für verantwortungslose Kraftfahrer?

Als Fahrradfahrer sollten wir – auch in Deutschland – absolut darauf vertrauen können, dass wir nicht von verantwortungslosen LKW-Fahrern überrollt werden. Nach meiner Meinung muss deshalb eine gewisse Abschreckung vor solchen Gewalttaten bestehen. Dies muss meines Ermessens im Vorfeld und – falls dies versagt – nachher durch eine besonders harte Bestrafung gewährleistet werden.

Eine gewisse Civil- Courage sollte selbstverständlich sein, wenn ein verantwortungsloses Verhalten beobachtet wird. Dadurch könnte man leicht zum Lebensretter werden.

In dem hier beschriebenen Fall hätte es wohl jeden Radler treffen können. Wie ich bei einer Probefahrt selbst feststellen konnte, war die Straße bis dahin ohne Fahrradweg. Der Fahrradweg den man auf dem Foto sieht, kam erst kurz vorher aus einer Ortschaft. Eine Benutzungspflicht war z.B. aus Richtung Kothausen oder Mönchengladbach nicht erkennbar. Bei Dunkelheit und bei ordnungsgemäß (lt. STVO) eingestellten Fahrradscheinwerfern sind – die viel zu hoch montierten – Radweg-Verkehrsschilder ohnehin nicht erkennbar.

Hier wurde mein Sohn (feige) von hinten überfahren:

(Der schreckliche Ort: eine vierspurige Straße mit Mittelstreifen und unbleuchtetem, schmalen und unebenen Weg, der teilweise nicht dem Straßenverlauf folgt, kurz vorher von rechts aus einer Ortschaft kommt und wenig später in eine andere Richtung führt. Zu sehen ist ein Scheinwerferwagen (Polizeifoto))

Wie ich selbst schon erfahren musste, gibt es Autofahrer, die extrem nah an Fahrradfahrern vorbei fahren bzw. diese abdrängen. Meine Meinung: Wer so agressiv das Leben friedlicher umweltfreundlicher Verkehrsteilnehmer gefährdet oder auf andere Weise seine Verantwortungslosigkeit beweist, gehört nicht in den Straßenverkehr. Er muss rechtzeitig daraus entfernt werden.

Einige Freunde glauben sogar an einen geplanten Mord, da es sich bei dem Opfer um einen Aktivisten handelte. Nach den Angaben der Polizei haben sich dafür aber keine Anhaltspunkte ergeben.

In ungezählten E-Mails und Gesprächen wurde ich dazu ermutigt, für solche Verbrecher eine lebenslange Freiheitsstrafe und Sicherheitsverwahrung zu fordern.

Sonst wären wir nach meiner Meinung Radler Freiwild. Kein Radfahrer könnte sich mehr auf die Straße trauen. Radfahren ist aber u. A. wegen der Umweltfreundlichkeit und der positiven Wirkung für unsere Gesundheit sehr wichtig.

Auslöser für meine Forderung war das skrupellose Verhalten von Michel M. aus Mönchengladbach- Rheindahlen (früher Greifswald).

Polizeifoto von Michel M. (Hahtbefehl: Mord durch Unterlassen bzw. versuchter Mord und fahrlässige Tötung)

Diesem Mann war der Führerschein wegen seines verantwortungslosen bzw. alkoholisierten Fahrens entzogen worden. Das Fahrverbot hat ihn nicht interessiert. Er konnte jahrelang trotz dem mit einem Auto fahren.

Dann wurde er wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt. Auch das hat ihn nicht beeindrucken können. Er ist wieder weiter immer wieder ohne Erlaubnis gefahren.

Gemeinsame Fahrradtouren haben wir gerne unternommen.

Später hat er dann meinen Sohn totgefahren und – ohne Hilfe zu holen oder zu benachrichtigen – in der Kälte verbluten lassen, um seine Straftat zu vertuschen. Dass er dann trotz des Wissens um den Tod von Bernd Seiffert wieder in ein Auto gestiegen ist (mit einer Flasche Bier), beweist endgültig die Unbelehrbarkeit, Brutalität und Skrupellosigkeit dieses Menschen.

Mit diesem Kleinlaster (Mercedes-Sprinter) wurde mein Sohn mit großer Geschwindigkeit überfahren. Der rechte Aussenspiegel und Fahrzeugteile wurden dabei abgerissen und flogen in die Gegend. Bernd Seiffert wurde gegen einen Poller geschleudert. Dabei wurde der Fahrradhelm zerstört. Der Täter hat ihn – ohne zu helfen oder einen Helfer zu benachrichtigen – hilflos verbluten lassen, um seine Straftat des erneuten Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu verdecken.

Michel M. hat wirklich viele Chancen gehabt, sich zu bessern. Weder der Entzug des Führerscheins mit dem Fahrverbot noch die Verurteilung wegen Fahrens ohne Fahrelaubnis hat ihn zum Nachdenken gebracht. Selbst der von ihm verursachte Tod eines Menschen hat keine Reue oder Umkehr bewirkt. Die Betrachtung der Persönlichkeits-Struktur zeigt meines Ermessens, dass alle Versuche der Besserung zum Scheitern verurteilt sind. Ihm wieder die Gelegenheit zum Mord zu geben, halte ich für unverantwortlich. Hoffentlich werden nach seiner Entlassung nicht weitere Menschen von ihm umgebracht.

(Todesopfer Bernd Seiffert)

Er – dem man deshalb, weil er eine Gefahr für das Leben anderer ist, die Fahrerlaubnis entzogen hatte, der danach bereits wieder das Leben der Allgemeinheit gefährdet hatte und deshalb wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt wurde – war so unbegreiflich skrupellos und gewissenlos, selbst nachdem er bei einer erneut illegalen Fahrt jemanden totgefahren hatte, wieder alkoholisiert widerrechtlich in ein Auto zu steigen und damit zu fahren und uns alle zu gefährden. So viel Skrupel- und Gewissenlosigkeit ist für mich und für die überwiegende Mehrheit der Gesellschaft absolut unbegreifbar. Nach meiner Meinung – und das ist auch die Meinung der (schweigenden) Mehrheit in unserer Gesellschaft – müssen wir alle nachhaltig vor solchen „Unbelehrbaren“ geschützt werden. Das kann nach meiner Meinung nur durch eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung erreicht werden.

Wie kommt ein so verantwortungsloser und skrupelloser Mann, der Fahrverbot hat bzw. dem der Führerschein entzogen wurde und der bereits wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt ist, an den Firmenwagen? Warum ist das so lange nicht aufgefallen? Wie ist es möglich, dass er über einen privaten PKW so lange verfügen konnte? Warum hat ihn niemand vom Fahren abgehalten? Wer hat ihn mit dem Besorgen von Alkoholnachschub beauftragt? Warum wurde ein notorischer Fahrer ohne Fahrerlaubnis nicht überwacht? Wer hat den Unfallschaden notdürftig repariert? Es sieht so aus, als wenn sich hier einige schuldig gemacht haben.

Das Waffenrecht wurde vor Jahren in Deutschland aufgrund von schmerzlichen Erfahrungen erheblich verschärft. An eine Waffe (Feuerwaffe) zu kommen ist inzwischen nicht mehr so einfach. Aber auch ein Auto ist eine ebenso tödliche Waffe.

Ich meine: Wenn bekannt ist, dass jemand völlig verantwortungslos handelt, sollte wirklich sichergestellt werden, dass „solche tickenden Zeitbomben“ nicht an ein KFZ kommen können.

Der Firmeninhaber behauptet, er habe nicht gewusst, das Michel M. keinen Führerschein mehr besitzt. Von den jungen Leuten, die mit ihm am Abend der Todesfahrt zusammen gefeiert haben, hat keiner den alkoholisierten und führescheinlosen Michel M. vom Fahren abgehalten. Die Polizei ging wohl sogar davon aus, dass man ihn mit dem Alkoholnachschub beauftragt hatte.

(Bernd Seiffert)

Für mich stellt sich die Frage, wie man unsere Gesellschaft im Vorfeld – und auch später – besser vor solchen Verbrechern schützen kann. Diese Frage bewegt mich sehr. Ab heute möchte ich daran arbeiten, Antworten auf diese Fragen zu bekommen. Künftig werde ich mich der Vorbeugung solcher Verbrechen widmen.

Der Tod meines Sohnes soll nicht ganz sinnlos sein. Mein Ziel ist es darauf hin zu wirken, dass wir alle sensibilisiert sind. Wenn dies dadurch erreicht wird und wenn das Bewusstsein geschärft wird, dass solche Skrupellosen keine weitere Gelegenheit für Verbrechen bekommen sollen, ist er nicht umsonst gestorben.

Im Mai 2010 habe ich mit vielen Anderen zusammen eine öffentlichen Petition (Straßenverkehrsordnung – Reduzierung auf 0,0 Promille-Grenze im Straßenverkehr) unterzeichnet.

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=12043

Urteil des Landgerichts Mönchengladbach vom 03.12.2010

Das war heute – am 03.12.2010 – für mich ein Schock. Ich kann es nicht fassen: Michel M. wurde zwar u. A. wegen fahrlässiger Tötung und wegen Mordes durch Unterlassen verurteilt. Er hat aber nur eine Freiheitsstrafe von 9 Jahren bekommen, noch unter der Forderung des Verteidigers (10 bis 12 Jahre). Mein Anwalt forderte 15 Jahre. Diese milde Strafe kann sogar noch gemildert werden. Es könnte m. E. sein, dass dann der nächste Unschuldige daran glauben muss.

(Foto: Bild Zeitung: Der uneinsichtige Täter Michel M.)

Da wir in Anbetracht des Tatbestandes mit diesem Strafmaß sowie mit der Urteilsbergründung nicht gerechnet haben und weil nach meiner Meinung auch die Freiheit der deutschen Radler tangiert wird, werde ich in die Revision zum BGH gehen.

Für mich als Vater des Ermordeten ist das Urteil nicht zu vwerstehen. Der Richter sieht bei meinem Sohn eine Mitschuld, da er nicht den Fahrradweg benutzte.

Das kam völlig überraschend da der Fahrradweg explizit erstmals heute und nicht in der Verhandlung zum Thema gemacht wurde. Ich hatte nach meiner Meinung im Verfahren keine Gelegenheit, auf diesen für mich völlig überraschenden Aspekt einzugehen.

Diese Entscheidung könnte für die Radfahrer in ganz Deutschland gravierende Auswirkungen haben, da es m. E. so aussieht, als ob deren Freiheit nun eingeschränkt würde. Man kann daraus nämlich einen Zwang herleiten, (gefährliche) Radwege zu benutzen. Bis heute gab es in Deutschland keine allgemeine Benutzungspflicht für Radwege. Nur benutzungspflichtige Radwege müssen benutzt werden und auch nur dann, wenn sie als solche erkennbar sind. Das haben die folgenden Gerichte in den betreffenden Urteilen entschieden: OLG Düsseldorf, AZ 1 U 51/02, OLG Hamm, AZ 6 U 91/93, OLG Köln, 19 U 208/93 und OLG Düsseldorf 1 U 234/02. Der hier genannte Weg war – je nach dem an welcher Stelle man darauf gefahren war – nicht als benutzungspflichtig erkennbar. Die Verwirrung bei den deutschen Radlern ist nun groß. Ich befinde mich im Kontakt mit dem zuständigen Abteilungsleiter für Verkehrsrecht der Bundeszentrale des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

(Ansicht vom Fahrradweg an der Unfallstelle – mit Markierung der Spurensicherung – im Mai 2010)

Mein Sohn hat nachweislich immer benutzungspflichtige Fahrradwege benutzt. Das habe ich bei gemeinsamen Touren immer gesehen. Er muss und wird einen Grund dafür gehabt haben, dass er nicht auf diesem Radweg gefahren ist. Der Weg kam erst kurz vorher aus einer Ortschaft (Rheindahlen) und endete auch kurz danach. Wenn Bernd zum Beispiel aus Richtung Kothausen kam, konnte er gar nicht wissen ob es sich um einen benutzungpflichtigen Weg handelt. Von mir wurde in einer Video-Dokumentation festgehalten, dass es diverse Fahrmöglichkeiten gibt, bei welchen vom Fahrradfahrer nicht gesehen werden kann, ob der Weg benutzungspflichtig ist. Das Schild konnte er nicht sehen, denn es stand in erheblicher Entfernung von der Straße auf der er fuhr. Wie wichtig meinem Sohn die Sicherheit im Straßenverkehr war, zeigt sich auch dadurch, dass er diverse Sicherheitskurse absolviert hat:

Möglicherweise lagen auch Scherben auf dem Weg. Ferner war er wegen der Bäume und Poller auch wesentlich schlechter beleuchtet. Der Richter meinte, dass das Fahren auf dem Weg zumutbar gewesen sei und er selbst dort oft fahre. Dabei lässt er aber außer Acht, dass er dann den Weg in seiner Beschaffenheit – auch das von der Straße nicht einsehbare Hinweisschild – genau kennt. Diesen Vorteil hatte mein Sohn nicht. Nach der bisherigen Rechtsprechung besteht auch dann keine Benutzungspflicht für Radwege, wenn das Hinweisschild vom Radfahrer nicht gesehen werden kann.

Davon abgesehen fordern Fahrradclubs, Radwege nicht zu benutzen. Städte wollen Radwege wegen der statistisch nachgewiesenen größeren Gefahr (als auf der Straße) zurückbauen.

Selbst wenn er eine Strecke gefahren wäre, auf welcher ein Schild stand – ich bin sicher, dass dies nicht der Fall war – dann hätte er das Radwegschild nicht sehen können, da bei der bestehenden Dunkelheit und bei gemäß den Vorschriften der Straßenverkehrs- Ordnung korrekt eingestellten Fahrrad-Scheinwerfer die Höhe der Radwegschilder viel zu hoch ist, um von einer Fahrradlampe erfasst zu werden.

Dass Bernd Seiffert die Pflicht hatte, den Fahrradweg zu benutzen lässt sich ferner nicht nachweisen, da nicht bekannt ist, von wo er kam. Er fuhr oft – auch mit wechselnden Richtungen – durch die Gegend um die Natur zu genießen. Die Behauptung, er trage eine Mitschuld an seinem Tod ist nicht haltbar. Hier ist ein Video welches zeigt, dass es diverse Möglichkeiten gibt, ohne das Verkehrsschild erkennen zu können am Unfallort vorbeizufahren:


http://www.youtube.com/watch?v=pf92Nhsz91Y


http://www.adfc.de/news/ADFC-erreicht-bahnbrechendes-Urteil-zur-Radwegebenutzungspflicht

http://www.liegeradforum.de/forum/showthread.php?1433-Radwege-Diskussionen-%28Sammelthread%29&p=318661


http://fahrradzukunft.de/1/verkehrsschilder-nachts/


http://www.adfc-nrw.de/?id=radwegsicherheit

Aus diesem Urteil könnte man meines Erachtens schließen, dass jeder Radfahrer in Deutschland – der aus irgendwelchen guten Gründen – einen Radweg nicht benutzt, mit an seinem eigenen Tod schuld ist, wenn er feige von hinten überrollt wird.

Selbst wenn man hier eine Radwegpflicht annehmen könnte- was nach meiner Meinung überhaupt nicht geht – würde es sich dabei höchstens um eine Ordnungswidrigkeit (bzw. Verwarnung) handeln. Eine Mitschuld an einem Kapitalverbrechen für das Opfer halten wir für absurd.

Wäre es nicht besser gewesen, wenn der Täter früher bei seinen ersten Taten eine Haftstrafe erhalten hätte? Dann wäre er doch vielleicht zur Vernunft gekommen und mein Sohn würde noch leben.

Keiner der vielen Leute, die Bescheid wussten, hat M. Marquardt von seinen alkoholisierten Autofahrten abgehalten. Wenn ein Einziger Civil-Courage gezeigt hätte, würde mein Sohn noch leben.

(Weitgehend unbeschädigtes Fahrrad, Polizeifoto)

Nun wird der umgebrachte Sohn auch noch beschuldigt, an seinem Tod mit schuldig zu sein. Für mich schreit dies zum Himmel. Eine größere Geschmack- und Piätetlosigkeit kann ich mir kaum vorstellen.

Da wir mit diesem Urteil so nicht leben können und auch mit der Urteilsbergründung nicht einverstanden sein können, bin ich gezwungen in die Berufung zum BGH nach Karlsruhe zu gehen. Am 06.12.2010 wurde die Revision eingereicht. Wir sind wirklich fest entschlossen notfalls alle möglichen Rechtsmittel auszunutzen.

Die Familie bzw. Angehörigen hatten gehofft, nun endlich zur Ruhe kommen zu können.

Wir sind von dem Ausgang des Prozesses überrascht, denn bisher wurde sehr gute Arbeit durch die Polizei und Staatsanwaltschaft geleistet. Das professionelle Zusammenspiel von Polizei und den Medien hatte in der Öffentlichkeit besondere Anerkennung gefunden.

Der Gang nach Karlsruhe und eine Klärung der Frage, inwiefern Radfahrer frei und kein Freiwild sind, ist nach meiner Meinung im Interesse aller deutschen Radler. Mit dem zuständigen Abteilungsleiter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) habe ich mich bereits ausgetauscht.

Den zahlreichen Leserbriefen, die ich erhalte, kann ich entnehmen, dass eine überwältigende Mehrheit mir in dieser Frage zustimmt.

Zur Zeit findet auf der Internet-Plattform RP-Online eine von mir eröffnete Diskussion über die Problematik statt, welche ebenfalls die allgemeine Meinung zeigt:

http://www.rp-online.de/public/comments/index/regional/niederrheinsued/moenchengladbach/nachrichten/938235

https://fahrerflucht.wordpress.com/links/

In einem Radfahrerforum wurde folgender Kommentar abgegeben:

AW: Radwege-Diskussionen (Sammelthread) Gehe zum vorherigen Beitrag

Beim kurzen Durchlesen des Blogbeitrags stößt mir besonders die angebliche Mitschuld des Opfers auf. Wenn ich das richtig verstanden habe, war es dunkel, als der Unfall passiert ist. Im Dunklen kann man aber mit STVO-gerechter Beleuchtung kein Radwegschild sehen. Das hängt nämlich mindestens zwei Meter hoch, so hoch darf ein Fahrradlicht nicht leuchten. Wenn man das nicht sehen darf, wie kann man es dann beachten?

(Weswegen man im Übrigen auch keine Radwegauschilderung im Dunklen findet, während die Ausschilderung für die üppig beleuchteten Kraftfahrer sich in optimal sichtbarer Höhe befindet)

http://www.liegeradforum.de/forum/showthread.php?1433-Radwege-Diskussionen-%28Sammelthread%29&p=318661

Kommentar eines Lesers zum Thema:

„Mit größter Fassungslosigkeit habe ich heute leider hören müssen, dass man dem Opfer die Mitschuld für seinen Tod gegeben hat. Was soll mir dazu noch einfallen?
Ich bin sprachlos, traurig und absolut fassungslos! Unerhört!
Kann man sich in Deutschland denn nicht mehr frei bewegen? Soll einem denn jetzt noch das Fahrradfahren auf einer Straße verboten werden. Ich bin baff! Absolut baff. Das kann so nicht gehen. Wie kann man dem Opfer die Mitschuld geben? Muss ich das begreifen? Ist das die neue Entwicklung in der deutschen Justiz?
Es hätte nicht viel gefehlt dann hätte man den Täter nie gefunden, denn er wollte seine Tat bewusst vertuschen! Und jetzt – soll das Opfer die Schuld tragen?
In diesem Fall hätte es meiner Meinung nach im juristischen Zusammenhang KEINE MILDERUNG geben dürfen. Immerhin neun Jahre… Aber der Ruf des Toten wurde meiner Auffassung nach bleibend und ungerechtfertigt geschädigt. Es stimmt aus meiner Sicht NICHT, DASS DER RADFAHRER AUF DER STRAßE NICHT HÄTTE FAHREN DÜRFEN UND DESWEGEN EINE MITSCHULD TRÄGT! In meinen Augen Quatsch und albern!“

Was dieser Verbrecher uns allen angetan hat, ist für andere schwer zu ermessen. Seit dem 28.04.2010 bin ich arbeitsunfähig.

Entscheidung des Bundesgerichtshofes

29.07.2011:

Heute ist mir das Urteil des Bundesgerichtshofes zugegangen. Unter Anderem wurde vom BGH bestätigt, dass es sich bei der von Michel Marquardt begangenen Tat um fahrlässige Tötung und versuchten Mord gehandelt hat. Bezüglich der Höhe der Haftstrafe wurde der Fall zur Überprüfung zum Landgericht Mönchengladbach zurück verwiesen.

Der durch einen anderen Anwalt vertretene Täter Michel Marquardt hatte – insbesondere wegen der am 03.12.2010 vom LG Mönchengladbach festgestellten fahrlässigen Tötung und des versuchten Mordes an Bernd Seiffert – Revision eingelegt.

Beim BGH wurde aber mit Beschluss vom 30.06.2011 (4 StR 241/11) die erfolgte Verurteilung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, fahrlässiger Tötung und versuchten Mordes bestätigt. Es bleibt also bei der Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und versuchten Mordes.

Die Revision der Nebenklage gegen das Urteil des LG Mönchengladbach vom 03.12.2010 wurde vom BGH als unzulässig verworfen.

Dies wurde bei der Rüge bezüglich der Einschätzung der Frage, ob Bernd sowieso gestorben wäre u. A. damit begründet, dass dies eine im Revisionsverfahren regelmäßig nicht mögliche Rekonstruktion der Beweisaufnahme voraussetzen würde.

Die übrigen Revisions-Vorträge wurden mit dem Hinweis auf § 400 Abs 1 StPO – der u. A. besagt, dass ein Nebenkläger ein Urteil nicht mit dem Ziel anfechten kann, dass eine andere Rechtsfolge der Tat verhängt wird oder dass der Angeklagte wegen einer Gesetzesverletzung verurteilt wird, die nicht zum Anschluss des Nebenklägers berechtigt – zurückgewiesen.

Ich denke, darüber weinen nicht wir allein.

Tatsächlich ging es uns aber keineswegs nur um die Rechtsfolge einer höheren Strafe sondern um eine vollständige und korrekte Berücksichtigung aller für ein sachgerechtes Urteil erforderlichen Tatbestände.

Zur Würdigung der BGH-Entscheidung kann sich jeder Leser sein eigenes Urteil bilden.

Für uns ist die Abweisung unserer Revion nicht nachvollziehbar und sind Gründe, die beim Urteil vom 03.12.2010 zu einer Milderung geführt hatten (Mitschuld des Radfahrers und Annahme, er wäre sowieso gestorben), nach wie vor unzutreffend. Dass man dennoch nicht wirklich ein rechtliches Gehör für dieses Problem bekommt, halten wir für schlimm.

Statt die bereits erfolgte Milderung aufzuheben, hat der BGH den Fall an das Landgricht sogar zur Prüfung einer weiteren Milderung zurück verwiesen.

Nun geht es nur noch um die Höhe der Strafe bzw. um die Frage, ob eine weitere Milderung vorzunehmen ist.

Ebenfalls hat der BGH m. E. die Chance vertan, Rechtssicherheit – bei der angesprochen Problematik – für Radfahrer zu schaffen.

Wohin soll es führen, wenn die Justiz mit mehrfach einschlägig vorbestraften Straftätern, die häufig das Gesetz mit Füßen getreten haben, immer wieder Milde übt?

Bei dem letzten Beitrag von RP-Online wird ebenfalls – in Form von Kommentierungen – die Diskussion über das Thema fortgesetzt:

http://www.rp-online.de/niederrhein-sued/moenchengladbach/nachrichten/tod-eines-radfahrers-fall-erneut-vor-gericht-1.2487544?commentview=true

(Foto vom Tatort am 16.10.2011)

Fazit

Wir denken, dass sich die deutsche Justiz bei diesem Fall nicht mit Ruhm bekleckert hat.

Hier geht es nicht etwa um Rache. Wir alle haben aber ein Anrecht auf einen hinreichenden Schutz unseres Lebens.

Das Urteil ist das falsche Signal an Rechtsbrecher. Die unbescholtenen anständigen Verkehrsteilnehmer müssen vor Verbrechern geschützt werden.

Mit immer neuer Milde werden skrupellose Verkehrsgefährder nicht auf die Folgen ihres Tuns aufmerksam gemacht und nicht zum Nachdenken gebracht. Wenn nicht rechtzeitig eingeschritten wird und wenn keine wirklich abschreckende Strafen verhängt werden, sinkt leider bei allzuvielen Zeitgenossen die Hemmschwelle zu einem Verhalten, welches Menschenleben gefährdet. So werden sie auch eher dazu neigen, sich durch eine menschenverachtende Flucht – mit Inkaufnahme des Todes ihrer Opfer – aus der Affäre zu ziehen.

Wenn einige Freunde bzw. Bekannte des Täters im Vorfeld ein Minimum an Zivilcourage gehabt hätten oder wenn die Justiz härter durchgegriffen hätte, würde mein Sohn wohl noch leben.

Ferner glauben wir aus den oben unter der Überschrift „Angebliche Mitschuld wegen Fahrens auf der Straße“ genannten Gründen, dass das Urteil auch besonders zur Verunsicherung von Radfahrern geeignet ist. Es widerspricht der bisherigen Rechtsprechung, nach welcher es keine allgemeine Fahrradweg-Benutzungspflicht (ohne Ausnahmen) gibt. Dies ist um so verwunderlicher, als doch aufgrung des statistischen Nachweises der Gefährlichkeit, in diversen Kommunen Radwege zurückgebaut werden.

An dieser Stelle wollen wir uns aber noch einmal herzlich bei den Polizeibeamten und allen Anderen bedanken, die bei der Ermittlung und dem Fassen des Täters mitgewirkt haben. Wie ich immer wieder höre, war dieser Fall und auch die Fahndung bisher in Deutschland einzigartig.

14.12.2011

Die Revisionsverhandlung

Die Revisionsverhandlung wurde noch am heutigen Tage mit einer Entscheidung der zuständigen Strafkammer abgeschlossen. Die verhängte Gesamtstrafe von 9 Jahren wurde zum Glück bestätigt. Ein erneuter Milderungsbedarf wurde nicht gesehen.

Durch die Verhandlung wurde bei uns Angehörigen wieder vieles aufgewühlt. Das war schwer zu ertragen.

Video von Verkehrsunfällen:

Der folgende Link führt zu einem – etwas krassen – Film, der aber einen guten Eindruck davon vermittelt, wie groß unsere Verantwortung im Straßenverkehr ist und wie groß die Gefahr ist:

https://www.facebook.com/photo.php?v=139282139417407&set=vb.100000068640938&type=2&theater

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s