Prozess gegen den Todesfahrer am Landgericht Mönchengladbach (Tagebuch)

Tagebuch vom Prozess vor dem Langericht Mönchengladbach (Schwurgericht)

Dieser Blog dient dem Zweck der Fahndung, der Einholung von Informationen bezüglich des Tat- Herganges und der Schärfung des Bewußtseins für mehr Verkehrssicherheit. Er soll aber auf keinen Fall in Konflikt mit dem laufenden Gerichtsverfahren kommen. Deshalb werden hier keine Einzelheiten zu dem nun laufenden Verfahren preisgegeben. Solche können aber aus der Presse – einige Links sind in diesem Blog unter „Presse-Links“ eingestellt – entnommen werden.

Folgende Termine sind für die Gerichtsverhandlung im Landgericht Mönchengladbach vorgesehen:

26.10.2010 ab 14.30 Uhr, 02.11.2010 ab 09.15 Uhr, 09.11.2010 ab 09.15 Uhr, 15.11.2010 ab 13.00 Uhr, 16.11.2010 ab 14.00 Uhr, 29.11.2010 ab 09.15 Uhr und 03.12.2010 ab 09.15 Uhr.

26.10.2010:
Es war heute sehr schwer, dem Angeklagten im Gerichtssaal bei der Eröffnung des Verfahrens gegenüber zu sitzen.

(Nebenkläger und Vater Rainer Seiffert, Foto: Bild Zeitung)

02.11.2010:
Viele Zeugen wurden vernommen. Dadurch wurden die damaligen Abläufe klarer. Mein bisheriger Eindruck vom Angeklagten hat sich bisher bestätigt. Ich bin dem Mann, der meinen Sohn gefunden hat, sehr dankbar. Auch die Polizei hat eine sehr gute Arbeit geleistet.

09.11.2010:
Weitere Zeugen-Vernahme: Eine Geschäftsfrau hat den Angeklagten identifiziert.

15.11.2010:
Diverse weitere Zeugen (u. A. Polzeibeamte) wurden vernommen. Die Beweislage ist erdrückend.

16.11.2010:
Ärzte des Krankenhauses und ein technischer Sachverständiger wurden befragt. Die Tat wurde am Computer simuliert. Es wurde das Unfallprotokoll abgespielt, bei welchem im Hintergrund das Stöhnen meines Sohnes zu hören war.

(Das Todesopfer Bernd Seiffert)

Immer wieder war aus den verschiedensten Quellen zu hören, dass der Täter „nur“ wegen versuchten Mordes angeklagt wird, da sein Opfer sowieso gestorben wäre. Das ist aber falsch. Das hat mein Anwalt vor Gericht auch klar gemacht. Da man nicht mit Sicherheit sagen kann, dass Bernd Seiffert wegen des Liegenlassens – mit den schwersten Verletzungen in der Kälte – allein gestorben ist, gilt hier der Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten. Er könnte demnach auch durch die vorher erfolgte fahrlässige Tötung gestorben sein. Eine solche Kombination von zuerst erfolgter fahrlässiger Tötung mit anschließendem versuchtem Mord ist äußerst selten. Meines Wissens gibt es bis jetzt keinen vergleichbaren Fall.

Nach der Auffassung des Gerichtes kann es sich bei dem Liegenlassen meines Sohnes in der Kälte – in der Absicht die eigene Straftat des Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu verdecken – nicht um Mord sondern nur um versuchten Mord handeln. Das wird deshalb so gesehen, weil es sich nur um vollendeten Mord handeln kann, wenn zu 100% feststeht, dass er durch das Liegenlassen gestorben ist und nicht durch die vorher erfolgte fahrlässige Tötung. Da man dies nicht zu 100% sagen kann, gilt der Grundsatz: „Im Zweifel für den Angeklagten„.

Nach den mir vorliegenden Informationen der mich in diesem Prozess beratenden Mediziner wäre die Überlebens-Chance bei einem rechtzeitigen Rufen eines Rettungsdienste sehr viel höher gewesen:

Bernd Seiffert lag 10 bis 20 Minuten am Unfallort, bis er durch sein Winken entdeckt wurde. Diese Zeit hätte nach meiner Meinung ausgereicht, um sein Leben zu retten, denn er wäre entsprechend früher ins Krankenhaus gekommen. Seine Verletzungen hätten nicht zwangsläufig tödlich sein müssen. 2 Minuten sind erforderlich, um den Bauch zu öffnen. Nur 5 Sekunden werden benötigt, um die Milz abzuklemmen, damit diese nicht weiter bluten kann. Dann besteht ausreichend Zeit für das „Packing“ der blutenden Leber und für die Resektion der verletzten Lebersegmente nach Abklemmung der diese versorgenden Gefäße. Dadurch wäre die Leberblutung rechtzeitig gestoppt worden. Ein inneres Verbluten hätte nicht mehr erfolgen können und ein Blutungsschock hätte nicht eintreten können. Die Eingriffsdauer bis zur allerersten Blutstillung im Bauchraum hätte nur ca. 10 Minuten betragen. Dann hätte ein Saug-Spül-Katheter für die Harnblase eingelegt, die Beckenfraktur stabilisiert und die Bülau-Drainage wegen dem Lungen-Spitzen-Pneumothorax gelegt werden können.

Zum Tatzeitpunkt war es recht kalt. Durch das längere Liegen in der Kälte am Unfallort wurde die Blutgerinnungsfähigkeit erheblich reduziert. Todesursache war schließlich gemäß der Obduktion das Verbluten.

(Bernd Seiffert)

29.11.2010:
Nun beginnt die Endphase des Prozesses mit dem psychologischen Sachverständigen und den Plädoyers sowie dem Urteil. Am 29.11. haben noch einige Zeugen ausgesagt. Der psychologische Sachverständige hat das Ergebnis seiner Arbeit vorgetragen. Es wurde eine Schuldfähigkeit festgestellt.

Am 03.12.2010 sind die Plädoyers und das Urteil vorgesehen.

Im Endergebnis wird selbst das härteste Urteil nur andeuten können, was diesser Mensch angerichtet hat. Er hat nicht nur das junge hoffnungsvolle Leben von Bernd Seiffert vernichtet sondern auch das Leben seiner Eltern, Geschwister und anderer.

Ich bete dafür, dass dieser Mensch keine weitere Gelegenheit zum Mord bekommt. Er hat die Gesellschaft nach meiner Meinung schon viel zu oft zum Narren gehalten.

Urteil und Würdigung

03.12.2010:
Heute habe ich meinen Ohren kaum getraut. Wir sind fassungslos. Das Urteil war für die anderen Angehörigen des Opfers und für mich ein weiterer Schock.

Bisher waren wir nicht nur dankbar für die exzellente Arbeit von Polizei im Zusammenarbeit mit der Presse und der Staatsanwaltschaft. Auch die Arbeit des Gerichtes haben wir während der sieben Verhandlungstage sehr hoch geschätzt. Um so enttäuschter sind wir nun nach diesem Urteil.

Dass der Angeklagte schuldig gesprochen wurde, war aufgrund der erdrückenden Beweislast – welche in langen Vernehmungen und Zeugenaussagen herausgearbeitet wurde – wohl allen klar. Mit einer Strafminderung – die vorgesehene Höchststrafe liegt bei 15 Jahren – war aber aus unserer Sicht insbesondere wegen der Uneinsichtigkeit (Leugnung der Tat bis zum Schluss) und Brutalität nicht zu rechnen.

(Foto: Bild Zeitung: Der uneinsichtige Täter Michel M.)

Michel M. wurde zwar u. A. wegen fahrlässiger Tötung und wegen versuchten Mordes durch Unterlassen verurteilt. Er hat aber nur eine Freiheitsstrafe von 9 Jahren bekommen, u. A. weil der Richter bei dem Getöteten eine Mitschuld sieht, da er den Fahrradweg nicht benutzte. Ferner wurde ausgeführt, der Verletzte habe ohnehin kaum eine Überlebens-Chance gehabt, was u. E. unzutreffend ist. Deshalb wurde der versuchte Mord wohl auch geringer gewichtet. Die Strafe kann sogar noch gemildert werden. Hoffentlich wird dann in 7 bis 9 Jahren nicht der nächste unschuldige Verkehrsteilnehmer getötet.

Wir meinen nicht aus Rachsucht, daß die Strafe viel zu gering ist, sondern weil wir glauben, dass die Besinnungszeit von 7 bis 9 Jahren für diesen besonders uneinsichtige und brutalen Täter nicht ausreichen wird.

Der Urteilsspruch lag mit 9 Jahren noch deutlich unter der Forderung des Verteidigers (10 bis 12 Jahre). Der Vertreter der Nebenklage hatte 15 Jahre gefordert. Eine Sicherheitsverwahrung wegen der Gefahr für die Allgemeinheit wollten wir auch fordern. Da aber bisher keine Haftstrafe verhängt worden war, war uns deren Beantragung nicht möglich.

(Der schreckliche Ort: die vierspurige Gladbacher-Straße mit Mittelstreifen und Scheinwerferwagen (Polizeifoto))

Das Argument der Mitschuld in diesem Fall haben die meisten Menschen, mit welchen wir Kontakt hatten, für so abwegig gehalten, dass sie es mir kaum geglaubt haben. Einem Vergewaltigungsopfer kann ja auch keine Mitschuld gegeben werden, wenn es einen Minirock getragen hat. Dann hätten Mörder künftig noch leichteres Spiel.

Der Richter – der als Ortskundiger diesen Weg natürlich genau kennt – sieht bei meinem (ortsfremden) Sohn eine Mitschuld, da er nicht den Fahrradweg benutzte.  Das konnte bisher keiner meiner Gesprächspartner verstehen.

Annahme, das Opfer wäre sowieso gestorben

Ein weiteres Problem ist, dass nach Meinung der mich beratenden Fachärzte vom Gericht falsch eingeschätzt wurde, dass selbst bei sofortiger Hilfe kaum eine Überlebens-Chance bestand. Da wurde dem Chefarzt der Chirurgie des behandelnden Krankenhauses Maria Hilf geglaubt, der nach meinem Eindruck aus Eigeninteresse – zur Verhütung von Regressansprüchen? – eine sehr geringe Überlebensschance sehen will. Bei der Vernehmung der Ärzte wollte der Richter die Befragung durch den Anwalt der Nebenklage abbrechen, weil er dachte, dies gehöre in den Regressprozess gegen das Krankenhaus Maria Hilf. Der Anwalt der Nebenklage entgegnete darauf hin, dass dies bisher nicht beabsichtigt sei. Er hätte ihn aber auf eine gute Idee gebracht. Sollte hier die im Verfahren hoch gekommene Kritik an der ärztlichen Behandlung und mögliche Regressansprüche an das Krankenhaus von den Ärzten auf diese Weise von vornherein abgeblockt werden? Dass diese Ärzte nach meiner Meinung ein großes Eigeninteresse haben müssen und dass sie damit in dieser Frage ausgesprochen befangen sind, ist für mich offensichtlich. Deshalb hätte ich auch nie damit gerechnet, dass deren Aussage vom Gericht als Grundlage für eine Minderung der Strafe benutzt wird. Dies ist für uns auch deshalb nicht zu verstehen, weil der Anwalt der Nebenklage dem Gericht die Vorlage eines entsprechenden Gutachtens im Verfahren angeboten hatte. Infolge dieser Einschätzung wurde wohl – in der Gewichtung der beiden Hauptstraftaten fahrlässige Tötung und versuchter Mord – das Gewicht zu Gunsten der fahrlässigen Tötung verschoben, was zu einer Verringerung der Strafe geführt hat. Diese Einschätzung halte ich nicht für richtig. Den Beweis dafür kann ich m. E. durch ein bereits vorliegendes medizinisches Gutachten antreten. Auf die Möglichkeit und Bereitschaft, den Nachweis durch ein Gutachten zu erbringen hatte die Nebenklage bereits im Verfahren bei der Vernehmung der Ärzte hingewiesen und die Vorlage eines entsprechenden Gegen-Gutachtens angeboten.

Den diesbezüglichen Einlassungen der Nebenklage wurde vom Gericht leider nicht geglaubt. Es hielt die Aussagen der Ärzte des Krankenhauses für glaubhaft.

(Krankenhaus „Maria Hilf“ in Mönchengladbach)

Nicht in Ordnung finde ich u. A., dass der Fahrradweg erstmals heute und nicht in der Verhandlung explizit zum Thema gemacht wurde. Ich hatte im Verfahren nach meiner Meinung keine Gelegenheit, auf diesen für mich völlig überraschenden Aspekt einzugehen.

Diese Entscheidung könnte nach meiner Meinung für die Radfahrer in ganz Deutschland gravierende Auswirkungen haben, da es so aussieht, als ob deren Freiheit nun eingeschränkt wurde. Man könnte daraus nämlich einen Zwang herleiten, (gefährliche) Radwege zu benutzen. Bis heute gab es in Deutschland keine allgemeine Benutzungspflicht für Radwege. Nur benutzungspflichtige Radwege müssen benutzt werden und auch nur dann, wenn sie als solche erkennbar sind. Das haben die folgenden Gerichte in den betreffenden Urteilen entschieden: OLG Düsseldorf, AZ 1 U 51/02, OLG Hamm, AZ 6 U 91/93, OLG Köln, 19 U 208/93 und OLG Düsseldorf 1 U 234/02. Der hier genannte Weg war m. E. – je nach dem an welcher Stelle man darauf gefahren war – nicht als benutzungspflichtig erkennbar. Die Verwirrung bei den deutschen Radlern ist nun groß. Ich befinde mich im Kontakt mit dem zuständigen Abteilungsleiter für Verkehrsrecht der Bundeszentrale des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).


Angebliche Mitschuld des Opfers

Mein Sohn hat nachweislich immer benutzungspflichtige Fahrradwege benutzt. Das habe ich bei gemeinsamen Touren immer gesehen. Er muss und wird einen Grund dafür gehabt haben, dass er nicht auf diesem Radweg gefahren ist. Der Weg kam erst kurz vorher aus einer Ortschaft (Rheindahlen) und endete auch kurz danach. Wenn Bernd zum Beispiel aus Richtung Kothausen kam, konnte er gar nicht wissen ob es sich um einen benutzungpflichtigen Weg handelt. Von mir wurde in einer Video-Dokumentation festgehalten, dass es diverse Fahrmöglichkeiten gibt, bei welchen vom Fahrradfahrer nicht gesehen werden kann, ob der Weg benutzungspflichtig ist. Das Schild konnte er nicht sehen, denn es stand in erheblicher Entfernung von der Straße auf der er fuhr.

Gemäß § 2 Abs. 4 S. 2 STVO müssen Radfahrer Radwege benutzen, wenn die jeweilige Fahrtrichtung mit Kennzeichen 237, 240 oder 241 gekennzeichnet ist. Ausführungen dazu, ob der Radweg mit einem dieser Zeichen gekennzeichnet ist, finden sich in der Urteilsbegründung nicht. Nur bei einem Verstoß gegen die Benutzungspflicht käme eine Mithaftung des Radfahrers in Betracht. Darüber hinaus wäre das Gericht nach meiner Meinung dazu verpflichtet gewesen, aufzuklären, ob der Getötete ein die Benutzungspflicht des Radweges anordnendes Zeichen, sofern ein solches aufgestellt wäre, auch tatsächlich hätte erkennen können und müssen. Ferner hat das Schwurgericht unterlassen, festzustellen, ob der Getötete auf seiner Fahrstrecke ein möglicherweise aufgestelltes Verkehrszeichen 237, 240 oder 241 überhaupt passiert und so die Möglichkeit gehabt hätte, ein solches wahrzunehmen.

(Das hochwertige Fahrrad war laut Polizeibericht bzw. Gutachter technisch einwandfrei und gut beleuchtet (Polizeifoto).)

Einen Ortstermin hat es während des gesamten Verfahrens nicht gegeben. Des Weiteren besteht eine Benutzungspflicht auch trotz Anordnung durch ein solches Zeichen nicht, wenn eine Benutzung für den Radfahrer aufgrund des Zustandes des Radweges nicht zumutbar ist, bzw. wenn Umstände vorliegen, die eine Benutzung erheblich erschweren. So besteht keine Benutzungspflicht, wenn der Zustand des Radweges den Radfahrer zum Langsamfahren zwingt (vgl. Kettler, NZV 1997, 497, 498). Der Radfahrer muss sich nicht auf den Radweg verweisen lassen, wenn er schneller fahren will und kann als der Radweg es zulässt, selbst wenn der Weg bei reduzierter Geschwindigkeit hätte benutzt werden können (vgl. OLG Köln, NZV 1994, 278). Ausweislich des Gutachgtens des Sachverständigen Dipl.-Ing. des Gerichtes betrug die von dem Getöteten gefahrene Geschwindigkeit ca. 35 km/h. Das war eine für einen Radfahrer hohe Geschwindigkeit. Mit einer solchen Geschwindigkeit um Mitternacht bei Dunkelheit auf diesem Radweg zu fahren, wäre meines Erachtens noch wesentlich gefährlicher gewesen.

Wie wichtig meinem Sohn die Sicherheit im Straßenverkehr war, zeigt sich auch dadurch, dass er diverse Sicherheitskurse absolviert hat:

Möglicherweise lagen auch Scherben auf dem Weg. Ferner war er wegen der Bäume und Poller auch wesentlich schlechter beleuchtet. Der Richter meinte, dass das Fahren auf dem Weg zumutbar gewesen sei und er selbst dort oft fahre. Dabei lässt er aber nach meiner Meinung außer Acht, dass er dann den Weg in seiner Beschaffenheit – auch das von der Straße nicht einsehbare Hinweisschild – genau kennt. Diesen Vorteil hatte mein Sohn nicht. Nach der bisherigen Rechtsprechung besteht keine Benutzungspflicht für Radwege, wenn das Hinweisschild vom Radfahrer nicht gesehen werden kann.

(Ansicht vom Fahrradweg an der Unfallstelle – mit Markierung der Spurensicherung – im Mai 2010)

Davon abgesehen fordern Fahrradclubs, Radwege nicht zu benutzen. Städte wollen Radwege wegen der statistisch nachgewiesenen größeren Gefahr (als auf der Straße) zurückbauen.

Selbst wenn er eine Strecke gefahren wäre, auf welcher ein Schild stand – ich bin sicher, dass dies nicht der Fall war – dann hätte er das Radwegschild nicht sehen können, da bei der bestehenden Dunkelheit und bei gemäß den Vorschriften der Straßenverkehrs- Ordnung korrekt eingestellten Fahrrad-Scheinwerfer die Höhe der Radwegschilder viel zu hoch ist, um von einer Fahrradlampe erfasst zu werden.

Dass Bernd Seiffert die Pflicht hatte, den Fahrradweg zu benutzen lässt sich ferner nach meiner Meinung nicht nachweisen, da nicht bekannt ist, von wo er kam. Er fuhr oft – auch mit wechselnden Richtungen – durch die Gegend um die Natur zu genießen und die Gegend kennen zu lernen. Da er immer auf benutzungspflichtigen Wegen gefahren ist, besteht für uns kein Zweifel, dass hier keine Pflicht bestand. Die Behauptung, er trage eine Mitschuld an seinem Tod ist nicht haltbar. Hier ist ein Video welches  zeigt, dass es diverse Möglichkeiten gibt, ohne das Verkehrsschild erkennen zu können am Unfallort vorbeizufahren:


http://www.adfc.de/news/ADFC-erreicht-bahnbrechendes-Urteil-zur-Radwegebenutzungspflicht

http://www.liegeradforum.de/forum/showthread.php?1433-Radwege-Diskussionen-%28Sammelthread%29&p=318661


http://fahrradzukunft.de/1/verkehrsschilder-nachts/


http://www.bild.de/BILD/regional/koeln/aktuell/2009/07/17/fahrrad-fahrer/zurueck-auf-die-strasse.html

Aus diesem Urteil könnte man meines Erachtens schließen, dass jeder Radfahrer in Deutschland – der aus irgendwelchen guten Gründen – einen Radweg nicht benutzt, mit an seinem eigenen Tod schuld ist, wenn er feige von hinten überrollt wird.

Was dieser Verbrecher uns allen angetan hat, ist für andere schwer zu ermessen. Seit dem 28.04.2010 bin ich arbeitsunfähig.

Da wir mit diesem nach meiner Meinung zu milden Urteil so nicht leben können und auch mit der Urteilsbergründung nicht einverstanden sein können, sehe ich mich gezwungen in die Berufung zum BGH nach Karlsruhe zu gehen. Am 06.12.2010 wurde die Revision eingereicht. Wir sind wirklich fest entschlossen notfalls alle möglichen Rechtsmittel auszunutzen.

Die Familie bzw. Angehörigen hatten gehofft, nun endlich zur Ruhe kommen zu können.

Der Gang nach Karlsruhe und eine Klärung der Frage, inwiefern Radfahrer frei und kein Freiwild sind, ist aber nach meiner Meinung auch im Interesse aller deutschen Radler. Mit dem zuständigen Abteilungsleiter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) habe ich mich bereits ausgetauscht.

Den zahlreichen Leserbriefen, die ich erhalte, kann ich entnehmen, dass eine überwältigende Mehrheit mir in dieser Frage zustimmt.

Zur Zeit findet auf der Internet-Plattform RP-Online eine von mir eröffnete Diskussion über die Problematik statt, welche ebenfalls die allgemeine Meinung zeigt:

http://www.rp-online.de/public/comments/index/regional/niederrheinsued/moenchengladbach/nachrichten/938235

https://fahrerflucht.wordpress.com/links/

Facebook-Kommentare:
Tedora Fatimea: Ich kann Ihren Schmerz nachvollziehen. Ich wünsche Ihnen und Ihre Familie weiterhin viel Kraft.

Twitter-Kommentare:
@atplack Anthony Plack an @sunnyrainer: I just read about your son and this travesty of justice. Insult to injury it is. You have my prayers.

@worldwelt Jonathan Livingston an @SunnyRainer: Meine herzlichsten das Andenken des Verstorbenen. Kopf hoch!

@N8engel Cecil Kimber an @SunnyRainer:
ich wünsche euch viel Kraft & Erfolg in der Berufung!
Advertisements

23 Antworten zu Prozess gegen den Todesfahrer am Landgericht Mönchengladbach (Tagebuch)

  1. Emanuel schreibt:

    Mit größter Fassungslosigkeit habe ich heute leider hören müssen, dass man dem Opfer die Mitschuld für seinen Tod gegeben hat. Was soll mir dazu noch einfallen?
    Ich bin sprachlos, traurig und absolut fassungslos! Unerhört!
    Kann man sich in Deutschland denn nicht mehr frei bewegen? Soll einem denn jetzt noch das Fahrradfahren auf einer Straße verboten werden. Ich bin baff! Absolut baff. Das kann so nicht gehen. Wie kann man dem Opfer die Mitschuld geben? Muss ich das begreifen? Ist das die neue Entwicklung in der deutschen Justiz?
    Es hätte nicht viel gefehlt dann hätte man den Täter nie gefunden, denn er wollte seine Tat bewusst vertuschen! Und jetzt – soll das Opfer die Schuld tragen?
    In diesem Fall hätte es meiner Meinung nach im juristischen Zusammenhang KEINE MILDERUNG geben dürfen. Immerhin neun Jahre… Aber der Ruf des Toten wurde meiner Auffassung nach bleibend und ungerechtfertigt geschädigt. Es stimmt aus meiner Sicht NICHT, DASS DER RADFAHRER AUF DER STRAßE NICHT HÄTTE FAHREN DÜRFEN UND DESWEGEN EINE MITSCHULD TRÄGT! In meinen Augen Quatsch und albern!

  2. DocSibylle schreibt:

    -Bisher ist es noch keine Pflicht, vorhandene Radwege zu nutzen –
    Selbst wenn es eine Ordnungswidrigkeit gewesen wäre, hätte diese vielleicht nur 40 € gekostet, und nicht gleich das eigene Leben.
    Jedoch wurde die Tatsache, dass Bernd Seiffert die Straße nahm, vom Richter des LG zur Minderung der Strafe um gleich 3 Jahre (gegenüber des Antrages der Staatsanwaltschaft) bzw. um 1-3 Jahre (Antrag der Verteidigung) gemindert.
    – Milde gibt es für den Todesfahrer, der die Justiz seit Jahren zum Narren gehalten hat, indem er seit 2008 ohne Führerschein fuhr
    – Milde gibt es für den Todesfahrer, der vor Gericht gelogen hat, sich für unschuldig erklärt hat und keine Aussagen mehr gemacht hat
    – Milde gibt es für den Todesfahrer, der jedesmal mit Absicht widerrechlich Auto fuhr, weil er den Führerschein wegen Alkohol am Steuer abgenommen bekommen hat
    – Milde gibt es für den Todesfahrer der jedesmal mit Absicht widerrechtlich Auto fuhr, als er Alkohol getrunken hatte
    – Milde gibt es für den Todesfahrer, der als chronisch führerscheinloser alkoholtrinkender Mann nicht etwa lebenslang auf seinen Führerschein verzichten muss, sondern der schon nach 5 Jahren nach seiner Entlassung wieder ans Steuer darf
    (falls er nicht sofort wieder Auto fährt, denn den Führerschein wieder zu bekommen ist so teuer, daß er es wohl nicht bezahlen kann, und nach der bisherigen Erfahrung braucht er ja wahrscheinlich mit Kontrollen nicht zu rechnen).
    – Milde Urteile auch schon früher für ihn:
    Für bekam er jeweils nur Geldstrafen (etwa 20 Tagessätze zu 15-20 Euro) – vielleicht hätte ihn eine Gefängnisstrafe zur Vernunft gebracht?
    – Moralisch mitverantwortlich am Tod von Bernd Seiffert sind meines Erachtens diejenigen, die wußten, dass er immer wieder alkoholisiert am Steuer saß, und die ihm keinen Einhalt geboten haben
    – Es ist äußerst bedauerlich, dass der Todesfahrer keine Psychotherapie oder ärztliche Hilfe angenommen hat /oder annehmen wollte? als vor einigen Jahren sein Onkel Selbstmord beging. Wahrscheinlich hätte dies den „Lauf der Dinge“ verändert, und das Unfallopfer könnte noch leben
    – Die im Urteil festgestellten 10-15 min, die Bernd Seiffert wegen der feigen Fahrerflucht einsam und allein an der Unfallstelle gelegen hat, waren die allerschlimmsten, furchtbarsten, schrecklichsten im wahren Sinne des Wortes seines Lebens, grausamst wenn man nur daran denkt.
    Und seine Frage als er nur aus Zufall gefunden wurde „muss ich jetzt sterben?“ kann niemand vergessen. Diese unmenschliche Grausamkeit des einfach wegfahrenden Todesfahrers wurde im Urteil weder erwähnt noch berücksichtigt.
    – Die 10-15 min, die Bernd Seiffert an der Unfallstelle gelegen hat, führten zur Unterkühlung – seine Chance auf Rettung durch eine Not – OP wären also ohne die Fahrerflucht größer gewesen
    – Die 10-15 min die er an der Unfallstelle gelegen hat, hätten meines Erachtens wohl gereicht, um seine Chancen bei einer Not – OP zu vergrößern, denn um eine blutende Milz von der Gefäßversorgung abzuklemmen, braucht es nur einige Minuten, und vielleicht hätte man auch einer „zweizeitigen“ Milzruptur zuvorkommen können. So hätte es auch genug Zeit gegeben, die blutende Leber zu versorgen
    – Dank an die 14-köpfige Kommission der Polizei, die den Todesfahrer innerhalb von 3 Tagen gefunden haben und die so gut ermittelt hat
    – Dank an Herrn Rashid Khan und seine Begleiterin, die das Unfallopfer gefunden haben, Hilfe gerufen und ihm Mut zugesprochen haben

    Das Strafmaß ist bei „versuchtem“ Mord das gleich wie bei Mord, es KANN gemildert werden, MUSS aber nicht.

    Hier waren die Milderung des Strafmaßes von 15 Jahren auf nur 9 Jahre
    mit der angeblichen Mitschuld des Opfers an seinem Schicksal
    und der nicht verhängte lebenslängliche Führerscheinentzug m. E. ein Fehlurteil.

    ODER SIND IN DEUTSCHLAND GENERELL DIE STRAFEN ZU NIEDRIG?

    So bleibt auf die Revision durch den BGH in Karlsruhe zu hoffen

  3. Falsches Urteil schreibt:

    Ja, das festgesetzte Strafmaß ist zu milde!

    Mönchengladbach, 28. April 2010:
    Es handelt sich um eine der schlimmsten Straftaten, die man überhaupt in unserer Gemeinschaft begehen kann. Versuchter Mord. Ein gefühlloser Gesetzesbrecher steuert mit hoher Geschwindigkeit mit seinem Mercedes-Sprinter auf einen schuldlosen Fahrradfahrer zu und überfährt ihn brutal von hinten. Der Täter hält selbstverständlich nicht an, um nach dem Opfer zu schauen. Der Rheindahlener bremst nicht, er fährt unentwegt weiter und lässt den armen jungen Mann mit den schweren Verletzungen auf der Straße zurück. Er wollte eine Strafe von der Polizei verhindern und nahm billigend in Kauf, dass das Opfer stirbt und somit nichts mehr bezeugen kann. Natürlich stellte sich der Täter nach seiner Tat nicht freiwillig der Polizei, er wurde durch schwere Ermittlungen und aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung erst nach Tagen festgenommen. Der Radfahrer starb qualvoll im Krankenhaus und wurde in Aachen beerdigt. Der Verstorbene war nicht irgendwer, was man an Menschenschar, die ihm die letzte Ehre auf dem Friedhof erwies, sehr gut erkennen konnte.

    Mönchengladbach, 3. Dezember 2010:
    Der einschlägig vorbestrafte Täter, der laut der Aussage seines Anwaltes „eine in sich gekehrte und introvertierte Persönlichkeit ist und dem es nicht möglich sei, etwas auszudrücken“, trat vor Gericht nicht eine Sekunde lang reumütig auf. Er berief sich auf eine Amnesie und log die Richter ungehemmt an, bis er später überhaupt nicht mehr redete. Zur Belohnung für seine Lügen, seine fehlende Reue, sein fehlendes Gewissen und für seine einschlägigen Vorstrafen soll der Täter nun in fünf Jahren wieder die Möglichkeit bekommen seinen Führerschein wieder zu erwerben und wenn der wegen versuchten Mordes Angeklagte sich in der Haftanstalt gut führt, dann wird er freilich keine neun Jahre, sondern nur ca. sieben Jahre verbüßen.
    Sind wir doch mal ehrlich, das Urteil ist doch ein Lachapfel.
    Was mich zudem auch noch betrübt hat, ist die Aussage des Richters Lothar Beckers, der doch allen Ernstes behauptete, dass das Opfer eine Mitschuld trägt, weil es nicht auf dem Fahrradweg, sondern auf der Straße gefahren sei.
    Schon komisch, dass das jetzt eine Art Freifahrtschein für den Täter bedeuten soll.
    Eine Revision hat zwar nur eine minnimale Chance, aber es muss auf jeden Fall probiert werden.

  4. wow. I never thought about this in that way

  5. I usually don’t post in Blogs but your blog forced me to, amazing work.. beautiful …

  6. Surge Protectors schreibt:

    I love reading your blog because it has very interesting topics.~-„“:

  7. Amp Accessories schreibt:

    I bookmared your site a couple of days ago coz your blog impresses me.‘;‘,.

  8. Liposuction Prices schreibt:

    Wow, you seem to be very knowledgable about this kind of topics.;~“`,

  9. JOBS Forum schreibt:

    I think your blog is getting more and more visitors.“.“-;

  10. EZ2 Lotto Results schreibt:

    I love reading your blog because it has very interesting topics.;;;„

  11. Personalised Mugs schreibt:

    Only a few blogger would discuss this topic the way you do..’*“`

  12. I would really like you to become a guest poster on my blog.*’*,‘

  13. The way you write, you are really a professional blogger.;`~;.

  14. Inflatable Bed schreibt:

    I see that you are using WordPress on your blog, wordpress is the best.’*“.:

  15. I really love the way you discuss this kind of topic.,*-„;

  16. Gastritis Symptoms schreibt:

    The thing i like about your blog is that you always post direct to the point info.,.-;.

  17. Corner Sofas schreibt:

    I see that you are using WordPress on your blog, wordpress is the best.`~“-

  18. Led Spots schreibt:

    I would really like you to become a guest poster on my blog.:,‘-*

  19. Wall Hooks schreibt:

    Your blog never ceases to amaze me, it is very well written and organized.,`-:‘

  20. Only a few blogger would discuss this topic the way you do.`,„,

  21. Safety Alarms schreibt:

    I’m a blog crazed person and i love to read cool blog like yours.-~..;

  22. Fire Alarm schreibt:

    I really love the way you discuss this kind of topic.,`:**

  23. generic cialis schreibt:

    Aloha man! I quite agree with your thoughts.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s