Tödliche Fahrerflucht, Fahndung / zweckdienliche Hinweise

(Das Opfer, mein Sohn Bernd Seiffert)

Ablauf der Tat:

Mein Sohn, der Software-Entwickler Bernd Seiffert, wurde am 28.04.2010 in Mönchengladbach – als er auf seinem Fahrrad fuhr – auf einer gut beleuchteten und vierspurigen Straße (seitlich ist ein dunkler, schmaler und unebener Gehweg, der teilweise nicht dem Straßenverlauf folgt, kurz vorher von rechts aus einer Ortschaft kommt und wenig später in eine andere Richtung führt) von einem Mercedes- Sprinter mit hoher Geschwindigkeit erfasst und gegen einen Steinpoller geschleudert. Dabei wurde der Fahrradhelm zerstört. Ein Sprecher der Polizei bestätigte später, dass die Beleuchtung des Fahrrades noch nach dem Unfall in Ordnung war. Es hätte Jeden – der da zu der Zeit vorbeigefahren wäre – treffen können!

RP-Online: Bernd Seiffert hatte ein hochwertiges Tourenrad mit moderner Beleuchtungsanlage. Dass er in der Unfallnacht mit Licht und Helm unterwegs war, steht für die Polizei außer Frage. „Als die Beamten nach der Spurensicherung das Rad wegschoben, ging das Licht an“, sagt Polizeisprecher Willy Theveßen.

Einige Freunde glauben sogar an einen geplanten Mord, da es sich bei dem Opfer um einen Aktivisten handelte. Nach den Angaben der Polizei haben sich dafür aber keine Anhaltspunkte ergeben.

(Der schreckliche Ort: eine vierspurige Straße mit Mittelstreifen und Scheinwerferwagen (Polizeifoto))

Der Fahrer Michel M. entfernte sich vom Tatort ohne sich um den Schwerstverletzten zu kümmern. Mein Sohn – der noch einige Zeit bei vollem Bewußtsein war – verstarb er erst einige Stunden nach einer Notoperation. Unter Anderem hatte er einen Milzriß, mit welchem ein starker Blutverlust verbunden war. Keiner kann genau sagen, wie lange er dort liegend Blut verloren hat. Nach meiner Meinung kann man nicht genau wissen, ob er nicht bei früherer Hilfe noch leben könnte. Ich meine, dass er noch leben könnte, wenn der Fahrer den Rettungsdienst informiert hätte.

Mein Sohn Bernd Seiffert war mit seinem Rad auf der rechten Richtungsfahrbahn der Gladbacher Straße in Richtung Innenstadt unterwegs. Die Unfallstelle befindet sich in Höhe Kothausen gut 100 Meter vor der Einmündung St.-Christophorus-Straße in Dorthausen. Dort war mein erst 26 Jahre alter Sohn von Verkehrsteilnehmern aus Krefeld gegen 00:50 Uhr entdeckt worden. Zu diesem Zeitpunkt war er noch ansprechbar. Mit allerletzter Kraft hatte er noch durch ein Winken mit dem Arm auf sich aufmerksam gemacht. Er fragte, ob sein linkes Bein noch dran sei und sagte, dass er den linken Arm nicht mehr spürt. Ferner fragte er den Helfer, ob er jetzt sterben muss. Wenige Stunden später starb Bernd Seiffert nach der Notoperation im Krankenhaus.

Polizeifoto von Michel M. (Hahtbefehl: Mord durch Unterlassen bzw. versuchter Mord und fahrlässige Tötung)

Fahndung:

Nach dem tödlichen Verkehrsunfall mit Flucht hatte die Polizei in Mönchengladbach am 28.04. eine Ermittlungskommission gebildet. Neben den Fachleuten der dortigen Unfallfluchtfahndung und des Verkehrskommissariates sind auch Beamte der Mordkommission und des Erkennungsdienstes zu dem insgesamt 14-köpfigen Team zusammen gefasst worden. Mit der Leitung wurde der erfahrene Leiter von Mordkommissionen, Kriminalhauptkommissar Friedhelm Schultz, beauftragt.

(Bernd Seiffert)

Nach den Erkenntnissen der Fahnder handelte es sich bei dem Fahrzeug des Flüchtigen um einen Mercedes-Transporter Typ „Sprinter“ oder um einen weitgehend baugleichen VW „Crafter“. Fahrzeugteile, die an der Unfallstelle sichergestellt wurden, konnten diesen Fahrzeugtypen zugeordnet werden. Die Teile werden seit 05/2006 an diesen Fahrzeugen angebaut. Infrage kamen sämtliche Modellvarianten: geschlossener und offener Kastenwagen sowie offene Pritsche. Die Fahnder suchten ein solches Fahrzeug an dem der rechte Außenspiegel fehlt.

(Polizeifoto)

Die Ermittler suchen darüber hinaus dringend Zeugen, die in der betreffenden Nacht vom 28.04.2010 auf der B 57 Beobachtungen gemacht haben. Ausdrücklich werden nicht nur Zeugen gesucht, die Angaben zu dem eigentlichen Unfallgeschehen bzw. zu Michel M. machen können, sondern auch solche, die in der Nacht andere Wahrnehmungen gemacht haben.

(Bernd Seiffert)

Das Interesse in den Medien (Fernsehen, Zeitungen und in den Internet-Netzwerken) ist wegen der besonderen Tragik sehr groß.

Es wurde ausführlich und über einen ungewöhnlich langen Zeitraum hinweg in den diversen Tageszeitungen, Internet-Nachrichtendiensten und verschiedenen Fernseh- Nachrichtensendungen über das tragische Geschehen berichtet.

Seit ca. einem Jahr nutze ich das Internet-Netzwerk „Twitter“. Da die Anzahl meiner Kontakte stark gewachsen ist, habe ich zusammengerechnet in Twitter die meisten Abonenten im deutschsprachigen Raum (Nr. 5 weltweit).

Nachdem ich – in meiner ersten Verzweiflung – meine zusammengerechnet ca. 380.000 Twitter-Freunde benachrichtigt hatte, wurde in dem Netzwerk Twitter ein wahrer Sturm an „Retweets“ ausgelöst, welche meine „Fahndungsanfragen“ in ganz Deutschland und in der Welt verbreitet haben. Der Sprecher der Polizei sagte, dass noch nie zuvor bei einer Fahrerflucht so viele Hinweise eingegangen sind. Später habe ich erfahren, dass das FBI und die Polizei in den USA schon seit einiger Zeit in Twitter nach Verbrechern fahndet.

Express:

„Nach dem ersten Schock war für Seiffert klar: „Den muss ich finden.“ Und das wollte er nicht nur der einberufenen Mordkommission überlassen. Seiffert zum EXPRESS: „Ich wäre sonst verrückt geworden.“

Deshalb nutzte Seiffert den Internet-Nachrichten-Dienst „Twitter“. Er schickte dort seit Donnerstag jede Stunde Nachrichten hin, fragte 380.000 (!) Nutzer nach Hinweisen. ……….“

Ermittlungs-Leiter Friedhelm Schultz: „Wir bildeten eine Kommission aus Mord-Ermittlern, Unfall- und Spurenexperten. Das Hinweis-Aufkommen war riesig, dank vieler Medien, auch Twitter.“ Das zeigte Wirkung: Ein Zeuge meldete nach dem Unfalltag einen beschädigten Sprinter und kannte auch den Fahrer.“

Festnahme und Sammlung weiterer Hinweise:

Am 02. Mai 2010 habe ich erfahren, dass der Todesfahrer von der B57 bei seiner Festnahme – auch nachdem er ohne Fahrerlaubnis einen Menschen totgefahren hatte – mit Bier hinterm Steuer und mit 0,74 Promille in einem anderen Auto gefasst wurde.

(Ein Bild aus glücklichen Tagen: Bernd Seiffert mit Vater Rainer Seiffert)

Seiner Aussage zufolge hatte Michel M. am Radio des Transporters herumgespielt und den Radler auf der B57 in der Nähe von Kothausen deshalb übersehen.

RP-Online: „In der ersten Version habe der Rheindahlener erklärt, dass er plötzlich einen Knall hörte und glaubte, gegen ein Verkehrsschild gefahren zu sein. Später soll Michel M. zugegeben haben, dass er den gestürzten Radfahrer sah. In seiner Vernehmung habe der 27-Jährige gesagt, dass er weitergefahren sei, weil er keinen Führerschein besitzt.“

Aus Angst vor der Polizei kümmerte er sich nicht um den schwerstverletzten Bernd Seiffert, der wohl mit voller Wucht gegen einen Betonpoller geschleudert wurde. Erst am nächsten Tag habe er im Radio gehört, dass der 26-Jährige gestorben war.

Bei der Presse-Konferenz am 03.05.2010 hat die Polizei darüber informiert, dass der Michel M. seine Fahrerlaubnis bereits vorher verloren hatte und ohne Führerschein fuhr. Da er meinen Sohn liegen ließ, um seine kriminelle Tat zu vertuschen, wurde Haftbefehl wegen versuchtem Mord und fahrlässiger Tötung erlassen.

Diesem Mann war der Führerschein wegen seines verantwortungslosen bzw. alkoholisierten Fahrens entzogen worden. Das Fahrverbot hat ihn nicht interessiert. Er konnte jahrelang trotz dem mit einem Auto fahren.

Dann wurde er wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt. Auch das hat ihn nicht beeindrucken können. Er ist wieder weiter immer wieder ohne Erlaubnis gefahren.

Wie kommt ein so verantwortungsloser und skrupelloser Mann, der Fahrverbot hat bzw. dem der Führerschein entzogen wurde und der bereits wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt ist, an den Firmenwagen? Warum ist das so lange nicht aufgefallen? Wie ist es möglich, dass er über einen privaten PKW so lange verfügen konnte? Warum hat ihn niemand vom Fahren abgehalten? Warum wurde ein notorischer Fahrer ohne Fahrerlaubnis nicht überwacht? Wer hat den Unfallschaden notdürftig repariert? Es sieht so aus, als wenn sich hier einige schuldig gemacht haben.

Der Firmeninhaber behauptet, er habe nicht gewusst, das Michel M. keinen Führerschein mehr besitzt. Von den jungen Leuten, die mit ihm am Abend der Todesfahrt zusammen gefeiert haben, hat keiner den alkoholisierten und führescheinlosen Michel M. vom Fahren abgehalten.

Das Fahrrad blieb weitgehend unbeschädigt:

(Polizeifoto)

Ein Richter gab auf Antrag der Staatsanwaltschaft das Foto des Todesfahrers zur Veröffentlichung frei. Der Grund ist: Die Mordkommission sucht noch Zeugen, die zu Michel M. vor und nach seiner Todesfahrt Kontakt hatten oder ihn später am Unfall-Sprinter beobachtet haben:

Insbesondere interessiert es die Ermittlungsbehörden, wo er sich am vergangenen Dienstagabend und später aufgehalten hat. Unter welchen Umständen kam es zu der folgenschweren Fahrt am frühen Mittwochmorgen? Wer kann Angaben zum Verbleib des Unfallfahrzeuges zwischen Mittwoch und Samstag machen? Hinweise an die Ermittlungskommission unter 02161-290.

RP-Online, 06.05.2010:

„Michel M. sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft wegen fahrlässiger Tötung und versuchten Mordes. Doch möglicherweise haben sich noch mehr schuldig gemacht.

Zwar gingen bei der Ermittlungskommission bereits neue Hinweise ein, die den Abend vor der Tat betreffen. Trotzdem sucht die Polizei noch weitere Zeugen. Sie fragt: Wo hat sich Michel M. in der Zeit von Dienstag, 27. April, 19 Uhr, und Mittwoch, 28 April, 17 Uhr, aufgehalten? Hatte er Alkohol getrunken? Und: War er in Begleitung?

Geklärt werden soll auch noch die Frage, was mit dem Unfallauto, einem dunkelgrauen Mercedes Sprinter, nach dem Unfall (28. April, 0.50 Uhr, bis 1. Mai,15.30 Uhr) genau geschah. Sicher ist, dass jemand die Unfallspuren reparierte. So ist beispielsweise ein beschädigter rechter Außenspiegel ersetzt worden. Die Polizei hatte den Wagen in einer Halle nahe der Trabrennbahn gefunden.

Der Unfall hat die Öffentlichkeit stark bewegt. Bürger legten Blumen an die Unglücksstelle an der B 57 und stellten Kerzen auf. Die Familie des Unfallopfer erhielt Tausende Beileidsbekundungen. Weitere Hinweise zu dem Fall nimmt die Ermittlungskommission „B 57“ unter der Telefonnummer 02161 290 entgegen.“

Auszug aus Verlautbarung bei der Polizei-Pressekonferenz:

„Anhand von Rückspiegel-Splittern am Unfallort stellten wir fest, dass der Unfallwagen ein Mercedes- oder VW-Transporter sein musste“, sagt Hauptkommissar Friedhelm Schultz von der Mönchengladbacher Polizei. „Dann bekamen wir einen Hinweis, dass Marquardt am Unfalltag alkoholisiert mit einem Mercedes-Sprinter unterwegs war.“

Ein weiterer Hinweis brachte die Beamten zum Unfallwagen. Schultz: „Er stand in einer Halle, hatte Unfall-Spuren. Der rechte Spiegel war neu. Reste des alten fanden wir im Container.“ Plötzlich fuhr M. an der Halle vor. Schultz: „Er hatte getrunken. Eine Flasche Bier lag im Auto.“

Der ledige Dachdecker gab alles zu. „Angeblich war er unterwegs, um Zigaretten zu kaufen. Dann bemerkte er den Aufprall, erkannte einen Radler. Aber weil er keinen Führerschein hatte, flüchtete er.“

Wie ich inzwischen erfahren habe, will er sich nun – nach einer anwaltlichen Beratung – an nichts mehr erinnern können.

Ich danke den Hinweisgebenden und den Ermittlungsbehörden dafür, dass sie den Täter so schnell ermittelt haben.

Für die überwältigende Unterstützung bei dieser großen Fahndungsaktion und für die wertvollen und unzählbaren Beileidsbekundungen bin ich ebenfalls sehr dankbar.

Rheinische Post Online vom 26.05.2010:

„Auch vier Wochen nach dem Unfall, bei dem auf der Gladbacher Straße ein 26-jähriger Radfahrer von einem alkoholisierten Unfallflüchtigen getötet worden war, sucht die Polizei weiter nach Hinweisen.

Zwar sitzt der mutmaßliche Fahrer des Mercedes-Sprinter längst in Untersuchungshaft. Doch noch immer ist die Polizei nicht sicher, ob der Mann, der offenbar für die Gäste einer Party den Alkohol-Nachschub besorgen sollte, tatsächlich alleine gefahren ist. Nach der Vernehmung aller Gäste gibt es laut Polizeisprecher Willy Thevessen keinen Zeugen, der weitere Mitfahrer benannt hat. „Wir hoffen aber immer noch auf weitere Hinweise“, so Thevessen.

Dabei hilft auch der Vater des getöteten Radfahrers. Er hatte den Fall im Internet geschildert und große Anteilnahme erfahren. Zeitweilig bekam er 2000 E-Mails pro Tag. Er bittet im Internet um Mithilfe zur Klärung des Falls. „Nachdem die Polizei den Tatverdächtigen festgenommen hatte, habe ich die ganze Sache zunächst eingestellt. Als ich dann aber hörte, dass die Ermittler nach möglichen Beifahrern und Mitschuldigen suchen, entschloss ich mich, erneut einen Aufruf zu starten“, sagt Rainer Seiffert.“

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