Fahrerflucht-Blog, Twitter-Fahndung von Rainer Seiffert nach Michel M., dem Todesfahrer von Mönchengladbach; Hinweise zur Fahrerflucht (Todesopfer: Bernd Seiffert)

Herzlich willkommen auf diesem Blog, den ich in meiner ersten Verzweiflung Anfang Mai 2010 ins Leben gerufen habe um den flüchtigen Todesfahrer Michel M. zu ermitteln. Er hatte meinen Sohn totgefahren und dann verbluten lassen. Der Blog soll helfen, Informationen zum Tathergang zu sammeln, er soll meine Freunde unterrichten und für ein Bewußtsein für Verkehrssicherheit werben. Dieser Blog hatte schon viele tausend Besucher. Über den Fall wurde in Radio, Fernsehen, Zeitungen und in Internet-Foren häufig berichtet. Meine zusammen 380.000 Twitter-Abonenten (größtes deutsches Twitter-Netzwerk) wurden ebenfalls über die Vorgänge auf dem Laufenden gehalten. Bei der ersten deutschen Twitter-Fahndung habe ich viel Unterstützung erfahren. Die öffentliche Beteiligung ist überwältigend. Viele Menschen haben zu meiner Meinungsbildung beigetragen, ihre Anteilnahme zum Ausdruck gebracht und mich in ihren Gebeten unterstützt. Ihnen Allen vielen Dank!

Inhaltsverzeichnis / Wegweiser

Auf einer Blog-Seite (schwarzes Register oben) von Anfang Mai 2010 (Twitter-Fahndung…..) wird relativ umfangreich über den Ablauf der Tat, die Fahndung und die Trauer berichtet. Auf dieser Seite können Sie auch gerne Kommentare abgeben.

Eine weitere Seite (Tödliche Fahrerflucht, aktuelle Fahndung / Hinweise / Prozess) ab Mai 2010 informiert über den Stand der Fahndung bzw. der Ermittlungen.

Bei der Seite Presse-Links habe ich einige ausgewählte Links zu Presse-Meldungen eingefügt. Es handelt sich – um den Rahmen nicht zu sprengen – nur um einige Links zu Tageszeitungen und zu der letzten Fernsehsendung. Berichtet wurde aber auch bei vielen Internet-Plattformen, bei den wesentlichen Radio-Programmen, den wesentlichen Fernsehsendern und in Illustrierten.

Auf der Seite „Umweltbewußte Fahrradfahrer sind zu schützen“ spreche ich die Problematik an, dass wir alle vor skrupellosen LKW-Fahrern geschützt werden müssen.

Bei der Seite „Gedenkseite für Bernd Seiffert, Radler und Todesopfer “ wird über das Leben und den Tod meines Sohnes berichtet. Auf der Seite „Gedenkstätten zur Erinnerung an Bernd Seiffert“ gibt es Fotos von Gedenkstätten.

Auf der Seite „Prozess gegen den Todesfahrer….“ ab Oktober 2010 wird über den Prozess am Landgericht Mönchengladbach in einer Art Tagebuch berichtet, der mit einem – vor allem für die deutschen Radler – unglaublichen Urteil abgeschlossen wurde.

Über das Urteil wird auf der Seite „Urteil vom 03.12.2010 des Landgerichtes gegen den Todesfahrer…..“ berichtet. Danach sind – nach meiner Meinung – nun alle Fahrradfahrer zum Teil Freiwild für alkoholisierte Autofahrer ohne Fahrerlaubnis, denn ihnen kann eine Mitschuld angelastet werden, wenn sie den Fahrradweg nicht benutzen.

Auf der Seite „Zur Revision beim Bundesgerichtshof….“ (06.12.2010) wird über die Revision beim BGH bzw. über die BGH-Entscheidung und die Revisionsverhandlung beim LG Mönchengladbach (ab 14.12.2011) berichtet.

Die Informationen und eigenen Fotos auf diesem Blog (ohne Polizeifotos und Fotos der Bild Zeitung) dürfen von der Presse und den Internet-Diensten insbesondere zu Fahndungszwecken oder zur Berichterstattung verwendet werden.

Hier können Sie sehen, ob Ihnen meine Facebook-Seite gefällt:
http://www.facebook.com/RSeiffert

(Das Opfer, mein Sohn Bernd Seiffert)

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Zusammenfassung

16.10.2011:
Da der Blog inzwischen recht umfangreich ist, habe ich das Geschehene in einer relativ kurzen Schilderung  zusammengefasst:

Am 28.04.2010 wurde der 26 Jahre alte Softwareentwickler Bernd Seiffert bei einer Fahrt auf einer Straße in Mönchengladbach von einem Klein-LKW von hinten erfasst und gegen einen Poller geschleudert. Er wurde erst ca. 15 Minuten später (u. A. ausgekühlt und mit fortgeschrittenen Blutungen der gerissenen Leber) gefunden. Bei seinen schweren inneren Verletzungen kam es aber auf jede Minute an. Er starb noch am gleichen Tag im Krankenhaus.

Der alkoholisierte LKW-Fahrer, der seit Jahren ohne Führerschein fuhr – da er ihn wegen Fahrens mit Alkohol verloren hatte – flüchtete, ohne Hilfe zu rufen, um seine Straftat des Fahrens mit Alkohol und ohne Fahrerlaubnis. zu verdecken. Wie Zeugenaussagen ergeben haben, hat ihn seine Tat nicht berührt. Er scherzte noch nach der Tat.

Die Polizei bildete eine 14-Köpfige Ermittlungs-Kommission um den Täter zu ergreifen. Eine Belohnung wurde ausgesetzt. Unterstützt wurde die Fahndung durch die Presse. Ferner fahndete der Vater über das Internet nach einem Kleintransporter mit fehlendem rechten Aussenspiegel. Es war die erste große deutsche Twitter-Fahndung. Die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit war sehr groß. Ein Polizeisprecher sagte, noch nie sind in Deutschland bei einer Fahrerflucht so viele Hinweise bei der Polizei eingegangen.

Vier Tage nach der Tat wurde der Fahrerflüchtige aufgrund eines Hinweises (mit einer Flasche Bier am Steuer) festgenommen. Den Schaden an seinem Fahrzeug hatte er reparieren lassen.

In dem Urteil des Langerichts Mönchengladbach vom 03.12.2010 wurde der LKW-Fahrer wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, fahrlässiger Tötung und versuchten Mordes zu 9 Jahren Haft verurteilt. Der Täter hatte auch in der Verhandlung versucht, seine Schuld zu vertuschen und war uneinsichtig. Zeugen hatte ausgesagt, dass sie ihn nicht gemeldet hätten da sie um Ihr Leben fürchteten, da er Mitglied einer Verbrecherbande sei. Ein Gerichts-Psychologe hatte ihn als für seine Tat voll verantwortlich begutachtet.

Gegen das Urteil haben der Vater und der Bruder des Getöteten als Nebenkläger Revision eingelgt, da das Gericht – aufgrund von Milderungen wegen einer angeblichen Mitschuld des Opfers (Radweg nicht benutzt) und der Annahme, das Opfer wäre auch bei rechtzeitiger Hilfe gestorben – noch unter dem Antrag der Verteidigung (10-12 Jahre) blieb.

Folgende Tatsachen wurden nach Ansicht der Nebenklage vom Landgericht nicht berücksichtigt:

Den Radweg hat das Opfer nicht benutzt, da der Weg erst kurz vorher aus Rheindahlen kam und ein Radweg-Schild aus seiner Fahrrichtung nicht vorhanden war.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub empfielt, nur bei vorhanden Schild (wegen der rechtlichen Pflicht) auf Radwegen zu fahren, da statistisch nachgewiesen ist, dass Radwege gefährlicher als Straßen sind. Deshalb werden z.B. in Köln Radwege zurückgebaut.

Bei Dunkelheit sind bei vorschrifsmäßig eingestelltem Scheinwerfer laut einem vorliegenden Gutachten selbst vorhandene Schilder nicht sichtbar, da sie der Scheinwerfer nicht erfassen kann.

Ferner darf man laut Rechtsprechung selbst bei vorhandenem Schild auf der Straße fahren, wenn man – wie laut Gerichtgutachter das Opfer – mit einem schnellen Fahrrad schnell unterwegs ist und auf dem Radweg langsamer fahren müsste.

Der Getötete musste nicht sowieso sterben. Er lag 10 bis 20 Minuten in der Kälte am Unfallort. Diese Zeit hätte nach meiner Meinung ausgereicht, um sein Leben zu retten, denn er wäre entsprechend früher ins Krankenhaus gekommen und seine Verletzungen hätten nicht zwangsläufig tödlich sein müssen. 2 Minuten sind erforderlich, um den Bauch zu öffnen. Nur 5 Sekunden werden benötigt, um die Milz abzuklemmen, damit diese nicht weiter bluten kann. Dann besteht ausreichend Zeit für weitere lebensrettenden Maßnahmen. Durch die starke Unterkühlung durch das Liegen am Unfallort wurde die Blutgerinnungsfähigkeit entscheidend geschwächt. Deshalb ist er verblutet. Bei sofortiger Hilfe wäre die Leberblutung rechtzeitig gestoppt worden. Ein inneres Verbluten hätte nicht mehr erfolgen können und ein Blutungsschock hätte nicht eintreten können. Die Eingriffsdauer bis zur allerersten Blutstillung im Bauchraum hätte nur ca. 10 Minuten betragen.

Die diesbezüglichen Einlassungen der Nebenklage und das Angebot ein Gutachten vorzulegen, wurden vom Landgericht Mönchengladbach nicht berücksichtigt.

Der Täter hatte ebenfalls Revision eingelegt, um die Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und den versuchten Mordes aufzuheben und mehr Milderung zu bekommen.

Beim Bundesgerichtshof wurde mit Beschluss vom 30.06.2011 (4 StR 241/11) die erfolgte Verurteilung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, fahrlässiger Tötung und versuchten Mordes bestätigt. Es bleibt also bei der Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und versuchten Mordes. Entsprochen wurde dem Wunsch des Angeklagten, eine (weitere) Milderung zu prüfen. Dazu wurde die Sache an das Landgericht zurück verwiesen.

Die Revision der Nebenklage gegen das Urteil des LG Mönchengladbach vom 03.12.2010 wurde vom BGH als unzulässig verworfen.

Dies wurde bei der Rüge bezüglich der Einschätzung der Frage, ob Bernd sowieso gestorben wäre u. A. damit begründet, dass dies eine im Revisionsverfahren regelmäßig nicht mögliche Rekonstruktion der Beweisaufnahme voraussetzen würde.

Die übrigen Revisions-Vorträge wurden mit dem Hinweis auf § 400 Abs 1 StPO – der u. A. besagt, dass ein Nebenkläger ein Urteil nicht mit dem Ziel anfechten kann, dass eine andere Rechtsfolge der Tat verhängt wird oder dass der Angeklagte wegen einer Gesetzesverletzung verurteilt wird, die nicht zum Anschluss des Nebenklägers berechtigt – zurückgewiesen.

Tatsächlich ging es uns aber keineswegs nur um die Rechtsfolge einer höheren Strafe sondern um eine vollständige und korrekte Berücksichtigung aller für ein sachgerechtes Urteil erforderlichen Tatbestände.

Dieser Täter hat die Justiz schon häufig an der Nase herum geführt. Die Angehörigen des Opfers wollen keine Rache. Nichts kann sie über den Schmerz hinwegtrösten. Mit immer neuer Milde für Straftäter lässt sich die Sicherheit im Straßenverkehr aber nicht erreichen.

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Sicherheit für Fahrradfahrer / Radler in Nordrhein-Westfalen

Mein Sohn Bernd Seiffert hat sich für die Sicherheit beim Fahrradfahren eingesetzt. Dies habe ich bei allen gemeinsamen Fahrradtouren gesehen. Er fuhr immer mit einem den Vorschriften entsprechenden Fahrrad, mit Helm sowie mit Licht und benutzte stets den Fahrradweg. Nachdem er mit seinem PKW ein Sicherheitstraining absolviert hatte, hat er ein solches auch mit dem Fahrrad gemacht. Deshalb kann man sagen, dass er ein besonder sicherer Fahrer war. Durch sein regelmäßiges Radfahren war er auch körperlich besonders fit.

Nach meiner Meinung müssen wir als Fahrradfahrer – auch in Deutschland – absolut darauf vertrauen können, dass wir nicht von verantwortungslosen LKW-Fahrern von hinten überrollt werden. Dies muss durch Aufklärung und Kontrolle im Vorfeld und – falls diese versagen – nachher durch eine besonders harte Bestrafung zur Abschreckung – gegebenenfalls mit Sicherheitsverwahrung – gewährleistet werden.

Jeden Radler hätte es treffen können, wie ich bei einer Probefahrt selbst feststellen musste: Der Fahrradweg den man auf dem Foto sieht, kam erst kurz vorher aus einer Ortschaft. Ein Radweg-Schild war nur aus zwei Richtungen vorhanden. Es gab aber diverse Richtungen, aus welchen Bernd Seiffert gekommen sein kann, wo kein entsprechendes Verkehrsschild vorhanden war. Ferner war bei der Dunkelheit – bei gemäß STVO ordnungsgemäß eingestelltem Fahrradscheinwerfer – ein hoch oben montiertes Verkehrsschild auch nicht zu erkennen, da das Licht nicht so hoch leuchten kann. Der Weg war deshalb m. E. nicht benutzungspflichtig. Fahrradclubs raten wegen der höheren Unfallgefahr aber von einer generellen Benutzung ab.

Hier wurde mein Sohn (feige) von hinten überfahren:

(Der schreckliche Ort: eine vierspurige Straße mit Mittelstreifen und unbleuchtetem, schmalen und unebenen Weg, der teilweise nicht dem Straßenverlauf folgt, kurz vorher von rechts aus einer Ortschaft kommt und wenig später in eine andere Richtung führt. Zu sehen ist ein Scheinwerferwagen (Polizeifoto))

Wie ich selbst schon erfahren musste, gibt es Autofahrer, die extrem nah an Fahrradfahrern vorbei fahren bzw. diese abdrängen. Meine Meinung: Wer so agressiv das Leben friedlicher umweltfreundlicher Verkehrsteilnehmer gefährdet oder auf andere Weise seine Verantwortungslosigkeit beweist, gehört nicht in den Straßenverkehr. Er muss rechtzeitig daraus verbannt werden. Dies muss auch überwacht bzw. kontrolliert werden.

Zitat: Der deutsche Straßenverkehr ist ein Dschungel und der größte Kriegsschauplatz.

In ungezählten E-Mails und Gesprächen wurde ich dazu ermutigt, für solche Verbrecher eine lebenslange Freiheitsstrafe mit Sicherheitsverwahrung zu fordern.

Sonst wären wir Radler nach meiner Meinung Freiwild und kein Radfahrer könnte sich mehr auf die Straße trauen. Radfahren ist aber u. A. wegen der Umweltfreundlichkeit und der positiven Wirkung für unsere Gesundheit sehr wichtig.

Auslöser für meine Forderung war das skrupellose Verhalten von Michel M. aus Mönchengladbach- Rheindahlen.

Polizeifoto von Michel M. (Hahtbefehl: Mord durch Unterlassen bzw. versuchter Mord und fahrlässige Tötung)

Diesem Mann war der Führerschein wegen seines verantwortungslosen bzw. alkoholisierten Fahrens entzogen worden. Das Fahrverbot hat ihn nicht interessiert. Er konnte jahrelang trotz dem mit einem Auto fahren.

Dann wurde er wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt. Auch das hat ihn nicht beeindrucken können. Er ist wieder weiter immer wieder ohne Erlaubnis gefahren.

(Bernd Seiffert und Rainer Seiffert) Gemeinsame Fahrradtouren haben wir gerne unternommen.

Später hat er dann meinen Sohn totgefahren und – ohne Hilfe zu holen oder einen Rettungswagen zu benachrichtigen – in der Kälte verbluten lassen. Dass er dann trotz des Wissens um den Tod von Bernd Seiffert wieder in ein Auto gestiegen ist (mit einer Flasche Bier), beweist nach meiner Meinung endgültig die Unbelehrbarkeit dieses Menschen.

Mit diesem Kleinlaster (Mercedes-Sprinter) wurde mein Sohn mit großer Geschwindigkeit überfahren. Der rechte Aussenspiegel und Fahrzeugteile wurden dabei abgerissen und flogen in die Gegend. Bernd Seiffert wurde gegen einen Poller geschleudert. Der Täter hat ihn – ohne zu helfen oder einen Helfer zu benachrichtigen – hilflos mit unvorstellbaren Schmerzen und Todesängsten verbluten lassen, um seine Straftat des erneuten Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu verdecken. Dies wurde süäter vom Gericht als fahrlässige Tötung und versuchter Mord (Strafe 9 Jahre Haft) beurteilt.

Bei Michel M. hat weder der Entzug des Führerscheins mit dem Fahrverbot noch die Verurteilung wegen Fahrens ohne Fahrelaubnis Wirkung gezeigt. Selbst der von ihm verursachte Tod eines Menschen hat keine Reue oder Umkehr bewirkt. Ich meine, dass er nicht wieder die Gelegenheit bekommen darf, weitere Menschen umzubringen.

(Todesopfer Bernd Seiffert)

Er – dem man deshalb, weil er eine Gefahr für das Leben anderer ist, die Fahrerlaubnis entzogen hatte, der danach bereits wieder das Leben der Allgemeinheit gefährdet hatte und deshalb wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt wurde – war so unbegreiflich skrupellos und gewissenlos, selbst nachdem er bei einer erneut illegalen Fahrt jemanden totgefahren hatte, wieder alkoholisiert widerrechtlich in ein Auto zu steigen und damit zu fahren und uns alle zu gefährden. So viel Skrupel- und Gewissenlosigkeit ist für mich und für die überwiegende Mehrheit der Gesellschaft absolut unbegreiflich. Nach meiner Meinung – und das ist auch die Meinung der (schweigenden) Mehrheit in unserer Gesellschaft – müssen wir alle nachhaltig vor solchen „Unbelehrbaren“ geschützt werden. Das kann nach meiner Meinung nur durch eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung erreicht werden.

Wie kommt ein so verantwortungsloser und skrupelloser Mann, der Fahrverbot hat bzw. dem der Führerschein entzogen wurde und der bereits wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt ist, an den Firmenwagen? Warum ist das so lange nicht aufgefallen? Wie ist es möglich, dass er über einen privaten PKW so lange verfügen konnte? Warum hat ihn niemand vom Fahren abgehalten? Wer hat ihn mit dem Besorgen von Alkoholnachschub beauftragt? Warum wurde ein notorischer Fahrer ohne Fahrerlaubnis nicht überwacht? Wer hat den Unfallschaden notdürftig repariert? Es sieht so aus, als wenn sich hier einige schuldig gemacht haben.

Das Waffenrecht wurde vor Jahren in Deutschland aufgrund von schmerzlichen Erfahrungen erheblich verschärft. An eine Waffe (Feuerwaffe) zu kommen ist inzwischen nicht mehr so einfach. Aber auch ein Auto ist eine ebenso tödliche Waffe.

Wenn bekannt ist, dass jemand völlig verantwortungslos handelt, sollte nach meiner Meinung wirklich sichergestellt werden, dass „keine solchen tickenden Zeitbomben“ an ein KFZ kommen können.

Der Firmeninhaber behauptet, er habe nicht gewusst, das Michel M. keinen Führerschein mehr besitzt. Von den jungen Leuten, die mit ihm am Abend der Todesfahrt zusammen gefeiert haben, hat keiner den alkoholisierten und führescheinlosen Michel M. vom Fahren abgehalten.

(Bernd Seiffert)

Für mich stellt sich die Frage, wie man unsere Gesellschaft im Vorfeld – und auch später – besser vor solchen Verbrechern schützen kann. Diese Frage bewegt mich sehr. Ab heute möchte ich daran arbeiten, Antworten auf diese Fragen zu bekommen. Künftig werde ich mich der Vorbeugung solcher Verbrechen widmen.

Der Tod meines Sohnes soll nicht ganz sinnlos sein. Mein Ziel ist es darauf hin zu wirken, dass wir alle sensibilisiert sind. Wenn dies dadurch erreicht wird und wenn das Bewusstsein geschärft wird, dass solche Skrupellosen keine weitere Gelegenheit für Verbrechen bekommen sollen, ist er nicht umsonst gestorben.

Viele haben mit mir die öffentliche Petition (Straßenverkehrsordnung – Reduzierung auf 0,0 Promille-Grenze im Straßenverkehr) unterzeichnet.

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=12043

Vielen Dank.

Urteil vom 03.12.2010

Michel M. wurde zwar u. A. wegen fahrlässiger Tötung und wegen versuchten Mordes durch Unterlassen verurteilt. Er hat aber nur eine Freiheitsstrafe von 9 Jahren bekommen, u. A. weil der Richter bei dem Getöteten eine Mitschuld sieht, da er den Fahrradweg nicht benutzte. Ferner wurde ausgeführt, der Verletzte habe ohnehin kaum eine Überlebens-Chance gehabt, was nach meiner Meinung nachweislich unzutreffend ist. Deshalb wurde der versuchte Mord meines Ermessens geringer gewichtet. Die Strafe kann unter Umständen sogar noch gemildert werden. Hoffentlich wird in 7 bis 9 Jahren dann nicht der nächste Unschuldige Verkehrsteilnehmer getötet.

Wir meinen nicht aus Rachsucht, daß die Strafe viel zu gering ist, sondern weil wir glauben, dass die Besinnungszeit von 7 bis 9 Jahren für diesen besonders uneinsichtigen, brutalen und rücksichtslosen Täter nicht ausreichen wird. Ferner halten wir die vorgebrachten Strafminderungsgründe für unzutreffend; eine Minderung halten wir daher für nicht möglich. Wir meinen, dass dieses Urteil nicht dazu beiträgt, den Straßenverkehr in Deutschland sicherer zu machen.

(Foto: Bild Zeitung: Der uneinsichtige Täter Michel M.)

Der Urteilsspruch lag mit 9 Jahren noch deutlich unter der Forderung des Verteidigers (10 bis 12 Jahre). Der Vertreter der Nebenklage hatte 15 Jahre gefordert. Eine Sicherheitsverwahrung wegen der Gefahr für die Allgemeinheit wollten wir auch fordern. Da aber bisher keine Haftstrafe verhängt worden war, war uns deren Beantragung nicht möglich.

Nicht in Ordnung finde ich u. A., dass der Fahrradweg erstmals heute und nicht in der Verhandlung zum Thema gemacht wurde. Ich meine, dass ich im Verfahren keine ausreichende Gelegenheit hatte, auf diesen für mich völlig überraschenden Aspekt einzugehen.

Diese Entscheidung könnte nach meiner Meinung für die Radfahrer in ganz Deutschland gravierende Auswirkungen haben, da es so aussieht, als ob deren Freiheit nun eingeschränkt wurde. Man könnte daraus nämlich einen Zwang herleiten, (gefährliche) Radwege zu benutzen. Bis heute gab es in Deutschland keine allgemeine Benutzungspflicht für Radwege. Nur benutzungspflichtige Radwege müssen benutzt werden und auch nur dann, wenn sie als solche erkennbar sind. Das haben die folgenden Gerichte in den betreffenden Urteilen entschieden: OLG Düsseldorf, AZ 1 U 51/02, OLG Hamm, AZ 6 U 91/93, OLG Köln, 19 U 208/93 und OLG Düsseldorf 1 U 234/02. Der hier genannte Weg war – je nach dem an welcher Stelle man darauf gefahren war – nicht als benutzungspflichtig erkennbar. Die Verwirrung bei den deutschen Radlern ist nun groß. Ich befinde mich im Kontakt mit dem zuständigen Abteilungsleiter für Verkehrsrecht der Bundeszentrale des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

(Ansicht vom Fahrradweg an der Unfallstelle – mit Markierung der Spurensicherung – im Mai 2010)

Mein Sohn hat nachweislich immer benutzungspflichtige Fahrradwege benutzt. Das haben seine Freunde und ich bei gemeinsamen Touren immer gesehen. Er muss und wird einen Grund dafür gehabt haben, dass er nicht auf diesem Weg gefahren ist. Der Weg kam erst kurz vorher aus einer Ortschaft (Rheindahlen) und endete auch kurz danach. Wenn Bernd zum Beispiel aus Richtung Kothausen kam, konnte er gar nicht wissen ob es sich um einen benutzungpflichtigen Weg handelt. Von mir wurde in einer Video-Dokumentation festgehalten, dass es diverse Fahrmöglichkeiten gibt, bei welchen vom Fahrradfahrer nicht gesehen werden kann, ob der Weg benutzungspflichtig ist. Das Schild konnte er nicht sehen, denn es stand in erheblicher Entfernung von der Straße auf der er fuhr. Möglicherweise lagen auch Scherben auf dem Weg. Ferner war er wegen der Bäume und Poller auch wesentlich schlechter beleuchtet. Der Richter meinte, dass das Fahren auf dem Weg zumutbar gewesen sei und er selbst dort oft fahre. Dabei lässt er aber nach meiner Meinung außer Acht, dass er dann den Weg in seiner Beschaffenheit – auch das von der Straße nicht einsehbare Hinweisschild – genau kennt. Diesen Vorteil hatte mein Sohn nicht. Nach der bisherigen Rechtsprechung besteht auch dann keine Benutzungspflicht für Radwege, wenn das Hinweisschild vom Radfahrer nicht gesehen werden kann.


(„Maria Hilf“ Krankenhaus; Hier starb Bernd Seiffert)

Davon abgesehen fordern Fahrradclubs, Radwege nicht zu benutzen. Städte wollen Radwege wegen der statistisch nachgewiesenen größeren Gefahr (als auf der Straße) zurückbauen.

Selbst wenn er eine Strecke gefahren wäre, auf welcher ein Schild stand – ich bin sicher, dass dies nicht der Fall war – dann hätte er das Radwegschild nicht sehen können, da bei der bestehenden Dunkelheit und bei gemäß den Vorschriften der Straßenverkehrs- Ordnung korrekt eingestellten Fahrrad-Scheinwerfer die Höhe der Radwegschilder viel zu hoch ist, um von einer Fahrradlampe erfasst zu werden.

Dass Bernd Seiffert die Pflicht hatte, den Fahrradweg zu benutzen lässt sich nach meiner Meinung ferner nicht nachweisen, da nicht bekannt ist, von wo er kam. Er fuhr oft – auch mit wechselnden Richtungen – durch die Gegend um die Natur zu genießen. Die Behauptung, er trage eine Mitschuld an seinem Tod ist meines Ermessens nicht haltbar.

Hier ist ein Video welches zeigt, dass es diverse Möglichkeiten gibt, ohne das Verkehrsschild erkennen zu können am Unfallort vorbeizufahren:

http://www.youtube.com/watch?v=pf92Nhsz91Y

http://www.adfc.de/news/ADFC-erreicht-bahnbrechendes-Urteil-zur-Radwegebenutzungspflicht

http://www.liegeradforum.de/forum/showthread.php?1433-Radwege-Diskussionen-%28Sammelthread%29&p=318661


http://fahrradzukunft.de/1/verkehrsschilder-nachts/


http://www.koeln.de/koeln/stadt_will_weniger_radwege_fuer_mehr_sicherheit_193478.html

Könnte man aus diesem Urteil nicht schließen, dass jeder Radfahrer in Deutschland – der aus irgendwelchen guten Gründen – einen Radweg nicht benutzt, mit an seinem eigenen Tod schuld ist, wenn er feige von hinten überrollt wird?

Selbst wenn man hier eine Radwegpflicht annehmen könnte- was nach meiner Meinung überhaupt nicht geht – würde es sich dabei höchstens um eine Ordnungswidrigkeit (bzw. Verwarnung) handeln. Eine Mitschuld an einem Kapitalverbrechen für das Opfer halten wir für absurd.

Ich frage mich auch, was geschehen wäre, wenn man statt Milde zu üben, den Täter bei seinen vorherigen Delikten zu einer Haftstrafe verurteilt hätte. Dann wäre er doch vielleicht zur Vernunft gekommen und mein Sohn würde noch leben.

Keiner von den vielen Leuten, die Bescheid wussten, hat Michel M. von seinen alkoholisierten Autofahrten abgehalten. Wenn ein Einziger Civil-Courage gezeigt hätte, würde mein Sohn noch leben.

Wie geht man bei Gericht aber mit den Geschädigten um? Der ermordete Sohn wird auch noch beschuldigt, an seinem Tod mit schuldig zu sein.

Da wir mit diesem Urteil so nicht leben können und auch mit der Urteilsbergründung nicht einverstanden sein können, sehe ich mich gezwungen in die Berufung zum BGH nach Karlsruhe zu gehen. Am 06.12.2010 wurde die Revision eingereicht. Wir sind wirklich fest entschlossen notfalls alle möglichen Rechtsmittel auszunutzen.

Die Familie bzw. Angehörigen hatten gehofft, nun endlich zur Ruhe kommen zu können.

Sind Radfahrer in Deutschland frei oder sind sie Freiwild? Ich meine, dass der Gang nach Karlsruhe auch im Interesse aller deutschen Radler liegt. Mit dem zuständigen Abteilungsleiter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) habe ich mich bereits ausgetauscht.

Den zahlreichen Leserbriefen, die ich erhalte, kann ich entnehmen, dass eine überwältigende Mehrheit mir in dieser Frage zustimmt.

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